Samstag, 12. Juni 2010

Duluth - was ist das denn?

Um es kurz zu machen: Ich weiß nicht mal, wie man dieses Wort richtig ausspricht und habe noch nie davon gehört. Die Stadt Duluth liegt im US-Bundesstaat Minesota. Und den findet man im Norden der USA am Lake Superior und Duluth ist der westlichste Hafen der Great Lakes. Glaubst du nicht? Guckst du hier:

Ursprünglich wurde in der Gegend des heutigen Duluth im 17. Jahrhundert eines Handelsstation für Pelze. Wirtschaftliche Bedeutung erlangte die Gegend durch den Erzabbau sowie die Erschließung mittels Eisenbahn. 1865 erhielt die Siedlung den Namen Duluth. Damals wurde durch den Bau von Kanälen und Schleusen die Zufahrt großer, seegehender Schiffe nach Duluth ermöglicht und die Region damit an den weit überregionalen Handel mit Erzen und Metallen angebunden. Also ist Duluth eine, zumindest ehemalige, Industriestadt. Klingt wahnsinnig spannend.

Im Sommer diesen Jahres ist Duluth Gastgeberin des Great Lakes Festivals und erwartet hierzu die Traditionsschiffe der GLU TSC (Great Lakes United Tall Ships Challenge). Auf der entsprechenden Internetseite wird das Event wortakrobatisch mit „The romance and grandeur of a bygone era comes to life for the biggest week of Duluth’s storied history. Eight magnificent tall ships will sail into port. An armada carrying the mystique of a far-off time and place” angekündigt ( http://visitduluth.com/tall-ships/ ). Ich finde, mehr geht nicht. Nächste Woche schaue ich mal im Hamburger Hafen, ob ich da vielleicht eine Augenklappe, ein Holzbein und einen Papagei finde. Und natürlich noch einen Säbel. Die Amis werden ausflippen! Besonders diejenigen, denen ich bei der Einreise mein Equipment erklären muss …

Traurige Berühmtheit erlangte die Stadt 1920 durch eine Lynchtat. Sogenannte ehrbare Bürger töten drei Afro-Amerikaner (so sagt man heute politisch korrekt) – damals wohl eher als Nigger bezeichnet – weil sie glaubten, diese hätten ein (natürlich weißes) Mädchen vergewaltigt und getötet. Nach der grausigen Selbstjustiz tauchte das Mädchen unversehrt wieder auf. Klingt ein wenig nach ‚Wilder Westen’, Rassentrennung etc. und bringt bei mir zahlreiche Vorurteile über die Amis „in the middle of nowhere“ zum Klingen. Vor allem erwarte ich, dass in Duluth das offene Tragen eines Colts zum guten Ton gehört und ein kerniger Kneipenabend stilecht mit einer Schießerei, mindest aber mit einer Prügelei endet. Als kultivierter Mitteleuropäer, deutscher Romantiker und Weltverbesserer frage ich mich, ob meine zarte Seele diesen Eindrücken wohl gewachsen sein wird.

Laut Programm laufen wir am Mittwoch, den 28. Juli in Duluth ein und bleiben fünf bis sechs Tage. Meine ersten Eindrücke via Google-Maps und Streetview sind zwiespältig. Das hat einen Vorteil: Ich kann vor Ort nicht enttäuscht, sondern nur positiv überrascht werden. Na ja, wird schon.

Duluth’ über alle Grenzen hinweg bekanntester Sohn ist übrigens ein weltberühmter Musiker. Wer mag das wohl sein? Es ist Bob der Dylan. Möglicherweise steht seine eher dem Protestgenre zuzuordnende, etwas nölige Musik unmittelbar im Zusammenhang mit seiner kindlichen Sozialisation im trist-depressiven Duluth. Egal. Ich sag’s offen: Ich mag Dylan nicht. Mochte die Musik und den Typen nie. Protest finde ich zwar gut, aber nur meinen eigenen. Wahrscheinlich dröhnen mir in Duluth aus jedem verfl... Lautsprecher Duluth besch... Dylan-Songs entgegen. Kein Problem, besorg ich mir halt auch einen Colt und kommuniziere mal auf in-the-middle-of-nowhere-amerikanisch, was ich von dem Sch… Bob Dylan halte. (Sorry, ich übe gerade stilecht zu fluchen. Das gehört sich in f.. Amerika so und ich demonstriere damit meine interkulturelle Kompetenz.)

Gemäß meinem Reiseführer habe ich in Duluth wider Erwarten doch mit einigen Sehenswürdigkeiten zu rechnen. Es gibt die berühmte Aerial Lift Bridge, man kann Kutschfahrten an der Waterfront unternehmen, das Schifffahrtsmuseum besuchen und einen alten Frachter besichtigen. Dann gibt’s da noch ein Aquarium und eine alte Dampflok zu sehen. Na denn …

Wahrscheinlich wird Dultuh der beste und schönste Hafen meiner Reise, ich lerne dort die nettesten und freundlichsten Menschen der Welt kennen und erfreue mich an kulturellen Höhepunkten einer ausgeprägten künstlerischen Szene. Vielleicht gehe ich mit Ureinwohnern auf die Jagd, schlafe in einem Tipi und reite einen Mustang. Wie auch immer, in einigen Wochen bin ich schlauer und berichte dann live aus Duluth, Minnesota, USA.

Eine Ansage noch in eigener Sache: Den Seemann zieht's zwar immer wieder hinfort und doch liebt er seine Heimat und seine Lieben. Und um das mal wieder so richtig zu spüren, labert er was von Fernweh und verschwindet dann für Wochen. Doch kaum entschwindet der Heimathafen am Horizont und das erste Fernweh ist gestillt hat er gern mal - na was wohl? - na klar, Heimweh.

Eckernförder Leuchtturm im Herbstlicht

Blick auf den Eckernförder Hafen. Wie mag wohl der Zweimaster da im Hafen heißen?

Samstag, 5. Juni 2010

Alles hängt mit allem zusammen - 47


"Merkwürdig irgendwie - im Titel ein Tippfehler (47 statt 42) und dann noch ein Bild auf dem nullkommanix zu erkennen ist." So oder so ähnlich könnte dein erster Eindruck von diesem Post sein. "Keine Ahnung, was Michi eingeschmissen hat, aber das geht jetzt mal echt zu weit."

Ertappt? Wenn ja, weiß ich nun zwei wichtige Dinge von dir. Erstens kennst du die Antwort auf die Frage aller Fragen, nämlich die nach "dem Leben, dem Universum und allem". Nach rund siebeneinhalb Millionen Jahren Rechenzeit eines wahrscheinlich traumatisierten Elektronengehirns lautet die Antwort darauf "42". Zweitens wird deutlich, dass du mindestens eine Rot-Grün-Schwäche wenn nicht schwerwiegendere Probleme mit deinen Augen hast und mal den Optiker deines Vertrauens aufsuchen solltest. Ich für meinen Teil bin an dieser Stelle (mal wieder) bockig: Ich meine 47 (siebenundvierzig) und bleibe dabei. Übrigens: Bezogen auf die Basis 5 ist die 47 in Wirklichkeit eine 142. Was wiederum bedeutet, dass die 142 nichts anderes als eine aus dem Dezimalsystem konvertierte Primzahl ist. Für diese Erkenntnis habe ich wenige Sekunden benötigt, was beweist, dass das menschliche Gehirn jedem Computer weit überlegen ist. Noch Fragen?




Mein persönliches, und sicherlich auch etwas spezielles Verhältnis zur Zahl 47 begann ungefähr am 01. Oktober 1986 etwa gegen 08:00 Uhr Ortszeit in Flensburg-Mürwik im 3. Schnellbootgeschwader. Ich trat meinen Dienst als Bootswaffen- und Wachoffizier auf dem Schnellboot S 47 Jaguar an. Nach gut drei erlebnis- und ereignisreichen Jahren, allein mit diesen ließe sich ein Buch füllen, verließ ich "den Jaguar" 1990 mit erfolgfreich absolvierter Kommandantenprüfung. Privat ging damals auch einiges ab: Ich heiratete und wir bekamen unser erstes Kind. Letzteres übrigens, weil der I WO (Erster Wachoffizier) 1988 in einem Cafe in Arcachon meinte, ich solle Vater werden, das wäre echt toll. Gut, dachte ich mir damals, dann mache ich das jetzt mal ...

Seitdem begegnet mir die Zahl 47 ständig bei allen möglichen Gelegenheiten. Fahre ich auf der Autobahn z.B. nach Köln, findet sich ein Hinweisschild "Köln - 47km". Das klappt übrigens auch mit (fast) jeder anderen Stadt. 1990 zogen wir nach Eckernförde in unser erstes Haus in die Geschwister-Scholl-Str. Hausnummer? Selbstverständlich die 47. Acht Jahre später bewarben wir uns bei der Kirchengemeinde Borby für ein Baugrundstück. Das uns zuerst angebotene Grundstück lehnten wir aus heute unerfindlichen Gründen ab. Nun wohnen dort liebe Nachbarn - mit der Hausnummer 47. Na ja, ich könnte jetzt noch reichlich weitere Beispiele aufführen, möchten aber vermeiden, an dieser Stelle noch weiter in Richtung Esoterik abzudriften.

2007, dass wußte ich schon lange im voraus, wird mein Jahr. Ich werde 47 Jahre alt und erlebe dann das schönste Jahr meines Lebens. Es kam anders. Ganz anders. Mein Vater starb plötzlich und ich selbst hatte größte gesundheitliche Probleme. Auf jeden Fall ein Jahr, an das ich mich immer erinnern werde.

Es gibt nur einen Ort, an dem ich der 47 noch nicht begegnet bin. Auf der ROALD AMUNDSEN ist mir 'meine' Zahl jedenfalls noch nicht aufgefallen. Auch bei meinen Reisevorbereitungen für die Great Lakes Tall Ships Challenge (hab ich, glaube ich, an anderer Stelle schon mal erwähnt) ist bisher vollkommen siebenundvierzigfrei. Ein gutes Zeichen? Ein Omen? Muss ich mir Sorgen machen? Man weiß es nicht.

Gestern erzählte ich einem lieben Menschen von meiner 47-Manie und ruckzuck bekam ich ein Buch in die Hand gedrückt, in welchem Zahlen und ihre Bedeutung erläutert wurden. Es ist von Doreen Virtue und heißt "Die Zahlen der Engel". Und dort war nachzulesen, dass Menschen, die eine hohe Affinität zur 47 haben, besonderen Schutz himmlischer Wesen geniessen und diese Unterstützung auf Nachfrage noch ausbaubar wäre. Und als Seemann kann ich nur sagen: Gut so! Solch freundliche Unterstützung kann man auf dem Wasser immer gebrauchen. Und es ist auch kein Aberglaube, wie ahnungslose Landratten jetzt vermuten könnten. Nein, nein, es hat mehr mit Tradition und Erfahrung zu tun. Oder warum schütten Seeleute auch heute noch den ersten Schluck (Bier meistens) über Bord? Natürlich, um die Geister, Rasmus, Neptun und dergleichen zu besänftigen. Wer jetzt denkt, ich spinne ("Klar, die 47 ist auch eine 142!") möge doch bei nächster Gelegenheit mal mit an Bord der ROALD kommen und nächstens bei schäumdender See einen Sturm in Orkanstärke abreiten. Spätestens da kann man Engel wirklich gut gebrauchen!