Samstag, 31. Juli 2010

Duluth, Minnesota

Vor gut zwei Monaten haben ich noch "Duluth - was ist das denn?" geschrieben. Nun bin ich also in der Stadt angekommen, von der ich vorab nur magere Informationen gefunden habe. Ein klassisches Vorurteil also, dass bei persönlicher Vor-Ort-Betrachtung einer näheren Überprüfung nicht standhält. Mir gefällt's hier. Die Stadt ist ok und der bereich Hafen, in dem wir liegen, grenzt unmittelbar an die 'Vergnügungsmeile' mit zahlreichen Lädchen, Saloons, Pubs, Restaurants, Cafés und allerlei weitere touristische Angebote. Unser Liegeplatz befindet sich unmittelbar vor einer größeren Halle, einem Auditorium. Von hier aus kommt man trockenen Fußes über den Skywalk, dazu später mehr, bis in die Innenstadt. Nachteil: Die halle bietet eine wunderbare Resonanzfläche für die dröhnenden Generatoren, die uns mit elektrischem Strom versorgen. Die Geräuschkulisse ist derart nervend, dass an Oberdeck nicht an telefonieren oder andere 'normale' Kommunikation zu denken ist. Das Schreiben dieser Zeilen dauert denn auch mehr als eine Stunde, weil Konzentration nahezu unmöglich ist. Orte und Momente der Ruhe sind und bleiben Mangelware.
Zu unserem Empfang haben sich Tausende entlang des Seeufers, am Canal Park und rund um die Aerial Lift Bridge versammelt. Kamerabewehrte Helikopter kreisten über unseren Köpfen, um die besten Bilder einzufangen. Ich hatte Bedenken, ob das Deckspersonal auf den Anlegestationen mich überhaupt akustisch verstehen kann. Die gigantische Aerial Lift Bridge, das Wahrzeichen Duluth', voraus in Sicht, bringt mich Kapitän Patrick mit der Frage "Willst Du anlegen?" leicht aus der Fassung. Was? Wie? Mein herz hüpft, der Kopf rattert. Ein Blick in die Seekarte und den Wind geprüft und schon habe ich eine Idee, wie ich die Roald sicher an die Pier bringe. Das bespreche ich mit den für die verschiedene Stationen Vorschiff, Achterdeck und Mittelleine verantwortlichen Toppsgasten und Steuerleuten und schon geht's los. Vor uns dreht HMS Bounty und läuft auf die Pier zu. Leinen fliegen über, die Maschine heult auf und die Bounty bewegt sich nicht mehr. Jetzt sind wir dran. Ich manövriere die Roald auf Anlaufkurs und schon fliegen die ersten Wurfleinen an Land. Das 'starke Frauen Team' bedient Mittelleine und Spill. Sie überwinden mit Körperkraft die letzten Meter bis zu Pier und bringen uns längsseits. Maschine aus, Ruder fest; das war's. Patrick schüttelt mir die Hand. Es ist wirklich gut gelaufen. Wenig Kommandos, keine Hektik, mit Ruhe und etwas Geduld an die Pier gefahren. Dieser Moment entschädigt mich für den ein und andere frustrierende Situation in den letzten Tagen. Nachdem alle Leinen ausgebracht und die Stellings an Land gehen, gebe ich als Dankeschön das 'Einlaufbier' aus.
Die Tall Ships erfreuen sich in Duluth allergrößter Aufmerksamkeit. Wir werden wieder sehr herzlich und offen aufgenommen. Hundert Meter Luftlinie von uns liegt der Canal Park und lädt zum Bummel, Speisen und Trinken ein. Unterhaltung wird heir reichlich geboten.
Gestern Abend war ich im BBQ Grill "Famous Dave" und habe mir einen "Ultimate BBQ Burger" mit zwei Fleischsorten und reichlich frittierten Kartoffelspalten bestellt. Dazu ein Budweiser getrunken und nebenbei Baseball im Fernsehen geschaut. Genauso stelle ich mir Amerika vor. "Famous Dave" ist kein klassisches Restaurant, sondern eher ein Fast-Food-Lokal, ohne jedoch eine Systemgastronomie, wie z.B. McDonalds oder Vapiano, zu sein. Am Eingang weist ein Schild "wait to be seated" daraufhin, wie hier in allen Restaurants üblich, sich einen Tisch vom Empfang zuweisen zu lassen. Ich sitze an einem ebenso typischen Tisch mit zwei gegenüber liegenden Bänken mit hohen Rücklehnen. Die Bedienung ist extrem freundlich und hilfreich und bringt mehr erstmal kostenloses Eiswasser. Steuerbord voraus habe ich freien Blick auf einen tonlos geschalteten Fernseher. Es läuft Baseball. Seattle spielt gegen die Twins (Minnesota). Ich verstehe nur Bahnhof, find's aber trotzdem extrem cool. Dann kommt auch schon mein Burger, der so groß ist, dass ich ihn nur mit messer und Gabel und keinesfalls von Hand essen kann. Ich weiderhole mich: Typisch Amerika; hier ist eben alles eine bis mehrere Nummern größer als bei uns in Deutschland. Der Burger schmeckt fantastisch. Zartes Fleisch, saftige Frikadelle, kanckige Speckstreifen, rauchig im Geschmack und von mir zusätzlich mit einer Extraportion 'Heinz Ketchup' verfeinert. Dazu das Budweiser. Der erste Schluck läuft durstig und kühl meine Kehle runter. Vorher passiert er jedoch die Geschmacksnerven. Halt! Stop! Hier stimmt was nicht! Sieht aus wie Bud, schmeckt aber ganz anders. Biertechnisch sind die USA ein Entwicklungsland. Das Zeug schmeckt hier einfach nicht. Und ist dafür mit 5 USD auch noch saumäßig teuer. Ganz schlimm ist "Miller Lite". Geschmacklich katastrophal und nahezu ohne Wirkung. Nach gut einer Stunde verlasse ich reichlich gesättigt "Famous Dave" und mache noch einen Spaziergang entlang zahlreicher Geschäfte im Canal Park.
Hab ich eigentlich schon berichtet, dass ich für die Schiffskasse verantwortlich bin? Aufgrund diverser Bareinnahmen schlummern dort fast 20.000 USD. Gestern war ich mit der Knete gut zwei Stunden in der Innenstadt von Dultuh unterwegs und habe eine Möglichkeit gesucht, das Geld auf unser Vereinskonto in Deutschland zu transferieren. Die erste Bank, auf die ich stoße, ist "Wells Fargo". Ich denke an Postkutschen und Western mit John Wayne und gehe hinein. Am Ende kümmern sich vier Menschen um mein Problem, finden aber keine Lösung. Es ist grundsätzlich nicht möglich, Bargeld einzuzahlen und es dann nach Deutschland zu überweisen. Dazu müßte ich ein US-Konto eröffnen, dürfte dann aber täglich nicht mehr als 10.000 USD überweisen. Man verweist mich an "Western Union", ca. zwei Blöcke weiter. Ich mache mich also auf die Suche - und finde die Bank nicht. Ich suche und suche, kreise und kreise, leider nichts zu machen. Dann stehen ich vor der örtlichen Polizeistation, gehe hinein und frage. Dort telefoniert sich dann eine Frau die Finger wund, um mein Problem zu lösen. Schließlich schickt sie mich zur "US Bank", die in Duluth auch Transaktionen für Western Union tätigt. Man drückt mir ein Formular in Hand, das ich auch geflissentlich ausfülle. - Dabei fällt mir auf, das sowohl am Schalter wie auch an sonst allen Tischen kleine Pumpflaschen mit Desinfektionsflüssigkeit stehen. Später erfahre ich, das Amerikaner generell Angst vor Ansteckung haben und sich daher bei jeder Gelegenheit die Hände desinfizieren. - Komisch, denke ich, kein Feld für die Kontonummer des Empfängers. Auf Nachfrage erklärt mir die gutaussehende, junge Angestellte, dass ich hier nur 'person-to-person-transfers' veranlassen kann. Ok, denke ich, und was kostet das? "Zwischen 600 und 700 Dollar", zwitschert die Blondine. Sie empfiehlt mir einen Western-Union-Agenten in der Nähe, der mein Problem lösen könnte. Also gehe ich dorthin. Es ist keine Bank. es ist nur ein Schalter in einem ehemaligen, runtergekommenen Büroraum. Und wieder trage ich mein Thema vor. Der Typ sagt, das wäre wohl kein Problem und ruft in der Zentrale
an, wie er das Geschäft zu tätigen habe. Ich warte derweil kamerabeobachtet und denke mir, dies ist die perfekte Situation, überfallen zu werden. Nach geschlagen 10 Minuten die niederschmetternde Auskunft "only person to person transfer, Sir". Ich gebe auf und latsche mit Knete wieder zurück an Bord. Dort soll heute die wunderbare Claudia, habe ich in Cleveland schon vorgestellt, eintreffen. Die weiß bestimmt, wie's geht. So ist es dann auch. Montag fahre ich mit jemandem zur Post, zahle das Geld bar, bekomme einen Scheck dafür, den wir dann auf das Roald-Treuhandkonto bei der ASTA (American Sailtraining Association) einzahlen. Von dort wird das Geld dann auf das Vereinskonto in Hamburg überweisen. Alles klar? Mir nicht.
So, genug Text für heute.
Bild 1: Das Foto des Tages. Die Twins Alina und Fabienne lassen sich die Haare blond tönen. In Deutschland erlaubt's die Mama nicht, aber Großvater Friedo geht die Sache gelassener an. Ich lass mir auch die 'Haare' schneiden und die Augenbrauen kürzen. Macht inklusive Trinkgeld 25 Dollar. Nicht schlecht, aber der Spaß war's wert.
Bild 2: Einlaufparade - voraus HMS BOUNTY vor der (noch) geschlossenen Aerial Lift Bridge.
Bild 3: So wird die Veranstaltung schon seit Monaten beworben. Nach unserer Reiseplanung laufen wir Montag aus. Auf dem Plakat steht Dienstag. Mal sehen.
Bild 4: Vor Jahrzehnten war Duluth noch eine Industriemetropole und einer der größten Häfen der USA. Dieses Gebäude wurde dann zu einem Bürogebäude und dreigeschossiger Shopping Mall mit zahlreichen kleinen Lädchen und freiem WLAN umgebaut.
Bild 5: Abendstimmung an der Ansteuerung zur Aerial Lift Bridge.
Bild 6: Und da liegen wir. Vorn HMS BOUNTY, dann ROALD AMUNDSEN, NIAGARA und EUROPA.

Bild 7: Zwei Freunde haben Spass beim Frisör.

Donnerstag, 29. Juli 2010

Michi on Roald Amundsen

Okay, es hat Beschwerden gegeben, dass ich auf den Fotos meiner Reiseberichte nicht zu sehen bin. Wie auch, bin ja der Fotograf. Hallo?
Nun habe ich Tobias gebeten, mich ein wenig zu begleiten. Bin gespannt, ob die Beschwerden jetzt eher zu oder abnehmen.
 
Bild 1: Viel Platz ist nicht. Wenn ich in die Koje gehe oder aufstehe, muß ich auf meinen empfindlichen Schädel aufpassen. Dafür hab ich die einzige Koje, neben der ein Rettungsring hängt.
 
Bild 3: ... oder am Ruder stehe, kluge Reden halten oder zeigen, wie's geht ...
 
Bild 4: ... immer wachsam den Blick suchend am Horizont. Mit im Bild Libby aus Kanada und Daniel aus Österreich ...
 
Bild 5: ... so sieht ein Mann aus, der alles im Griff hat ... oder? ...
 
Bild 6: ... oder nicht? ...
 
Bild 7: ... den Kompass immer fest im Blick ...
 
Bild 8: ... mit first mate Katrin in der Navi. ich übergebe gerade die Wache an sie ...
 
Bild 9: ... noch schnell das Schiffstagebuch aktualisiert ...
 
Bild 10: ... die gefahrene Strecke in Seemeilen mit dem Zirkel aus der Seekarte nehmen ...
 
Bild 11: ... ist alles in Ordnung? ...
 
Bild 12: ... und das ist Ralph, der dritte Steuermann. Ich fahre diesen Törn als zweiter Steuermann ...
 
Bild 13: ... der Niedergang zum Messelogis liegt noch vor dem Vortopp. Hier geht's zu meiner Koje ...
 
Bild 14: ... tja, 'ne Dusche haben wir auch ...
 
Bild 15: ... und auf der Koje höre ich meistens noch ein wenig Musik, entspanne und schlafe schnell ein, denn die viele frische Luft macht mich ziemlich müde.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Concerto for a rainy day: thunder and lightning

Das "Concerto for a rainy day" ist eines der schönsten, thematisch gefaßten Musikstücke der siebziger Jahre. Vier Lieder fangen die Stimmung eines verregneten Tags, lassen einen Gewittersturm aus den Lautsprecherboxen prasseln und münden in Sonnenschein und blauen Himmel. Das letzte Lied "Mr Blue Sky" ist eines der bekanntesten Lieder der Gruppe 'Electric Light Orchestra'. Wer hat, möge mal wieder reinhören und geniessen. Ich finde, es klingt auch heute noch richtig gut.
 
In Bayfield haben wir einen 'Thunderstorm', also einen Gewittersturm abgewettert. Erst verfinsterte sich der Himmel dunkel bis schwarz, dann weiße Wolkenfetzen voller Regen und darüber zuckende Blitze aus dem Dunkel. Dann färbte sich der Himmel orange und glitt violett in die Nacht hinein. Leider regnete es die ganze Zeit, so dass ich zum Schutz der Kamera aus dem deckshaus der Roald hinaus fotografiert habe. Außerdem wollte ich nicht nass werden.
 

Lust und Frust eines Steuermanns

Getrappel an Deck.Leise, aber deutlich vernehmbare Kommandos dringen bis in mein Ohr. Es ist 23:00 Uhr, in einer Stunde steht die Wache 1 wieder auf Segelposten. Irgendetwas ist anders, die Routine durchbrochen. Jemand kommt in's Messelogis und holt Andreas aus der Koje. "Wir brauchen Hilfe und ich suche Leute, die noch nicht schlafen." Klingt nach segeltechnischem Großmanöver. Als ich vor vier Stunden auf die Koje war die Lage noch ruhig, der Wind eher schwach und gern mal drehend.
Mitternacht lösen Friedo, Alina, Daniel, Merret und ich die Wache 3 ab. Der Kapitän sitzzt auf der Brücke, das deck ist vom letzten Segelmanöver nicht klariert. Überall liegen Leinen herum, über die es sich trefflich stolpert. Der helle Vollmond blinzelt hinter einer Wolke hervor und erleuchtet das Oberdeck. Wird sind ca. 10 Seemeilen vor Grand Marais Lighthouse gestrandet. Es gibt einfach keinen Wind mehr. Die Segel hängen schlaff an den Rahen und Stagen. Der übergebende Steuermann gibt mir noch mit auf den Weg, dass der Wind hier ständig drehen würde, man kräftig gebrasst habe, nur um danach festzustellen, dass sich die Windrichtung schon wieder geändert hat und erneut gebrasst werden müßte. Wende, Halse, Doppel-Halse, Backbord anbrassen, Steuerbord anbrassen. Friedo und ich schauen uns vielsagend an. "Das kriegen wir hin, beobachten aber erstmal die Lage". Brüder im Geiste. Von Westen weht ein warmer, trockener Wind über das Deck und bläht die Segel. "Aha, Landwind", denke ich. Nachts kühlt sich das Festland schneller als das Wasser ab. Wenn es dann an Land kühler ist, steigt die Luft über dem Wasser auf, zieht kühlere (und trockenere) Landluft auf See, die sich dort erwärmt und ebenfalls aufsteigt. So entsteht nachts ein konstant von Land wehender Wind in Küstennähe (nur wenige Seemeilen, dann endet der Effekt). Tagsüber ist es genau andersherum. Über dem von der Sonne erwärmten Land steigt die Luft auf. es weht ein konstanter Wind von See her. Außerhalb dieser Land-Seewind-Zone sind die Windverhältnisse normal, also wie vorhergesagt. Für die letzte südlicher Wind. Und wir? Wir dümpelten genau auf der Grenzfläche beider Windzonen, die selbstverständlich nicht wie mit Lineal gezogen sind, sondern ihre Ausdehnung ständig ändern. Luft ist nunmal ein hochmobiles Gas.
Wir haben dann den Landwind genutzt und die Roald auf den Backbordbug gelegt, so dass der Wind von Steuerbord in Segel weht. Dabei sind wir gehalst, also mit dem heck durch den Wind gegangen. Nach und nach haben wir gefiert, gebrasst, Schoten vershiftet und die mittleren Stengestagsegel geborgen. Die Roald drehte sich langsam Grad für Grad auf den neuen Kurs. Man muss auch mal Geduld haben. Dann liefen wir einen südlichen Kurs, jedenfalls, bis der Wind dann wieder weg war. Abwarten, Segel beobachten und die Flagge im Topp nicht aus den Augen lassen. Dann ein Lufthauch an Oberdeck, direkt von vorn. Die Rahsegel stehen back und fahren mit knapp einem Knoten rückwärts. Oooops. Friedo und ich setzen weiter auf unsere Abwartetaktik. Dann dreht sich das Schiff, legt sich in den Wind, der nun wieder konstant aus Südost weht. Wir waren raus aus der 'Deadzone'! Jetzt noch härter angebrasst und die Stagsegel gesetzt und geschotet und ab ging die Fuhre Richtung Südsüdost. Wir klaren das deck auf, schaffen Ordnung. Die Roald zieht derweil mit vier Knoten ihre Bahn. Ich lege das Ruder Steuerbord drei, um das Anluven zu unterstützen und lasse unsere alte Lady allein den besten Kurs finden. Und so segelt sie hoch am Wind mit minimalsten Kursschwankungen (+/- 1,5 Grad) ohne Rudergänger unserem nächsten Ziel entgegen.
Ich sitze mit meiner Wache auf der Brücke und genissen unser Erfolgserlebnis. Dazu hören wir von C.S. Forester eine Hörbuch der Extraklasse: 'Fähnrich Hornblower'. Nachdem die wache 2 uns abgelöst hat, falle ich müde, aber glücklich und stolz in die Koje. Ruhe, Geduld, Augenmaß, Fingerspitzengefühl und eine gehörige Portion Glück haben uns eine unvergessliche nacht geschenkt. Ach ja, 'nebenbei' habe ich mit dem Vollmond noch ein Fotoshooting veranstaltet. Ergebnis siehe anbei. Lust eines Steuermann!
 
Am heutigen Dienstag sind wir dann tagsüber motort und zu den "Apostel-Inseln" gefahren. Ziel Bayfield in Wisconsin. Ein Nacht im Hafen und Mittwoch dann weiter nach Duluth. Wir ziehen wieder um 12:00 Uhr auf und ein Blick in die Seekarte sagte mir, dass wir die Leckerbissen Ansteuerung und Einlaufen Bayfield während unserer Wache erleben. Da meine Leute schnell einige Segel einpacken müssen, ein Gewittersturm zieht auf, stehe ich selbst am Ruder und freue schon auf die Herausforderung. Dann steht die erste Kuränderung an und der seit Bay City an Bord befindliche Lotse verdrängt mich vom Ruder und ändert den Kurs auf die von mir ausgekoppelten 230 Grad. Hmm, Statistenrolle. Der Kapitän schaut zu.
Ich bin früher gut 100.000 Seemeilen mit Schnellbooten der Marine unterwegs gewesen und eins, wenn auch nur kurz, als Kommandant geführt. Ich erzähl jetzt mal, wie wir in der Marine arbeiten,  wenn wir uns auf das Anlegen im unbekannten Hafen unter ungünstigen meteorologischen Bedingungen vorbereiten. Erstens haben wir eine klare Kommandostruktur, bei der Kommandant das letzte Wort. Ein an Bord befindlicher Lotse berät lediglich und der kluge Kommandant hört auf seinen Lotsen. Das Boot wird vom WO (Wachoffizier) gefahren. Er ist dem Kommandanten für die nautische und seemännische Sicherheit verantwortlich. Herausfordernde Situationen werden zur Ausbildung genutzt. So lernt man, so wächst man. Schwierige Manöver, wie dass in Bayfield, sprechen wir bei der Marine vorher durch, d.h. der WO erläutert dem Kommandanten seine "idée de manoevre". Der 'Alte' sagt seine Meinung dazu und der WO berücksichtigt diese tunlichst. Dann werden die Stationsleiter Achterdeck und Vorschiff auf die Brücke gerufen und ihnen erläutert, was man vorhat, wie das Anlegemanöver ablaufen soll, welche Leinen zuerst rüber müssen und worauf es ankommt. Der gefechtsrudergänger, also der erfahrenste Rudergänger, übernimmt das Ruder. Auch die Maschinentelegraphen werden von erfahrenen Leuten bedient. Und dann geht's los. Manöveranpfiff. Anlaufkurs. Beide Außen (oder Alle) voraus Kleine. Wir fahren nicht vierkannt auf die Pier zu oder drehen langatmig hin und her, sondern laufen sauber an, denn, stimmt der Anlaufkurs nicht, mußt du später mit starken maschinen- und Ruderkommandos korrigieren. Starke Kommandos führen immer auch zu starken Wirkungen und damit zu dynamischen Tendenzen, die dann wieder aufgefangen werden müssen. Ein Teufelskreis. Ungeheuer anstrengend, materialbeanspruchend, nervenstarpazierend und stressfördernd. Gute Planung und Kommunikation vereinfachen die Sache erheblich. Sorgfältig achten wir darauf, dass sich Ruder- und Maschinenkommandos nicht gegenseitig in ihrer Wirkung aufheben. Wir 'sägen' nicht vor dem Liegeplatz hin und her, wir warten auch mal, bis sich ein Ruder- oder Maschinenkommando tatsächlich auswirkt. Der Kommandant hält sich grundsätzlich dort auf, wo er den besten Überblick über die aktuelle Situation hat. Erläuft während eines komplexen Anlegemanövers nicht über Oberdeck und kommandiert nicht von der Back aus. Ich bin auf meine Ausbildung bei Schnellbootens stolz. Wert und Nutzen dieser Ausbildung werden mir auf der Roald manchmal schmerzlich bewußt.
Am Ende sind wir dann irgendwie dran. Ich bediene den Maschinentelegrafen. Die Urlaubsstimmung ist verflogen, ich bin frustriert. Das war mein letzte Manöver auf der Brücke. Morgen beim Ablegen gehe ich wieder auf das Vorschiff und paße auf zwei Leinen auf. Da muss ich mich nicht ärgern. Frust eines Steuermanns.
 
Das Ende vom Lied? Mehr noch als der Ärger und Frust über die verordnete Untätigkeit, ärgert mich, dass ich mich ärgere. Vielleicht fehlte mir heute ein wenig die Gelassenheit. Am Ende gehe ich innerlich auf Distanz, kapsel mich ab mache Dinge, die mir gut tun. Wenn möglich, meditiere ich oder lese meinen John Irving weiter. Ich denke, dass ich künftig öfter als Deckshand auf der Roald mitfahren werde. Dann bleibt mir dieser Frust erspart. Ach Marine, du wirst mir fehlen!
 
Bild 1: Bayfield - klingt irgendwie nach Alien-Testgelände - ist ein wunderschönes, idyllisch gelegens Örtchen. Die Menschen sind freundlich und offen. Es gibt zahlreiche kleine, schnuckelige (was auch immer das heißen mag) Geschäfte und umzu Natur ohne Ende.
 
Bild 2: Genau da liegt Bayfield. Stündlich fährt eine Fähre nach Madeline Island hinüber. Die Wassertiefen sind übrigens in Fuss angegeben, müssen also noch durch drei geteilt werden, um die Tiefe in Metern zu haben.
 
Bild 3: Huch, nochmal Bayfield. Jetzt etwas näher. Ausgesprochen intelligente Bildauswahl.
 
Bild 4: Vollmond (!!) nachts gegen 02:00 Uhr im Lake Superior. Das rote Licht kommt von der Backbord-Positionslaterne.
 
Bild 5: Dito
 
Bild 6: Die drei Mondbilder habe ich mittels Belichtungsreihe fotografiert und dann mittels schon angesprochener Software bearbeitet. Daher der wohl etwas surreale Eindruck.

Montag, 26. Juli 2010

Mittagsstimmung auf 47 Grad 38,3 Minuten Nord und 089 Grad 46,1 Minuten West

Sanfter Wind aus Südwest. Vollzeug über den Toppen. Wärmende Sonnenstrahlen, die sich glitzernd auf der Süßwasseroberfläche des Lake Superior brechen. Tiefes blau. Vom Windhauch gekräuselte See. Mittagsstimmung.  Ruhe über dem Wasser, an Oberdeck und unter Deck sowieso. Sanft schaukelt die Roald die abgelöste wache in einen Dämmerschlaf. Traumlos manch einer; andere voller Fantasie. das Ruder knarzt unter den Händen des Rudergängers. Das Rigg stemmt sich lautlos gegen den druck der Segel.. Wir gleiten Richtung Nordwest. Recht voraus die Küste Minnesotas als graues Band im Dunst. Steuerbord querab, gut 20 Seemeilen entfernt, Leuchtturm "Rock of Ages". Gedanken wandern über das Wasser zum Horizont und darüber hinaus. Von nah nach fern; von fern nach nah. Die Backschaft werkelt klappernd in der Kombüse. Frischer Kaffee steht bereit. Auf Wunsch mit Milch und Zucker.
 
Später gehen wir wohl auf einen anderen Kurs, weil die Küste recht voraus nicht ausweichen wird. Dann steuern wir auf die 'Apostel' zu, eine Inselgruppe im südlichen Lake Superior. dazu finnische Rockmusik von Nightwish aus der Kombüse. Das Leben an Bord ist maximal 'entschleunigt'. Keine Hektik, nur Ruhe und die leichte Melancholie eines idealen Urlaubstages. Kein Internet, kein Telefon, kein fernsehen und doch fehlt nichts. Wir reden, lächeln uns an.Helle Stimmung vor Traumkulisse.

Unfall mit Folgen, Teil 2

Nachdem wir morgens (am Sonntag) gegen 07 Uhr in Houghton / hancock festgemacht haben, startet Andreas mit Laurens direkt durch Richtung Krankenhaus. Nach einer Stunde sind beide wieder zurück; Laurens ist gut versorgt, hat einen frischen Verband und wir könnten wieder loslegen, bleiben aber zur sonnigen Sonntagsruhe vor Ort.
 
Ich hab dann die Gelegenheit genutzt, mal wieder intensiver ins Internet zu gehen und den Blog zu befüllen, zu skypen und zu lesen, dass die Loveparade in Duisburg einen eher ungünstigen Verlauf genommen hat. Sowas kriegt man auf einem Schiff überhaupt nicht mit.
 
Nachmittags stiefel ich dann durch die beiden Städtchen nördlich und südlich des Keweenaw Waterway. Das bemerkenswerteste daran ist noch, dass bei einem Autohändler eine alte Corvette Stingray steht. Heißes Teil. Ansonsten gibt's nichts berichtenswertes. Anbei ein paar Fotos.
 
Bild 1: Es ist Nachmittag und es gibt leckeres Vanilleeis mit Kirschen auf dem sonnigen Oberdeck. Laurens geht's wieder gut. Er streckt seinen lädierten Finger in die Kamera. Sinnigerweise ist es der Mittel- (Stinke-)finger.
 
Bild 2: Die Nacht war lang und laut, denn Emma hat uns mit Volldampf nach Houghton / Hancock gebracht. Die müde Besatzung steht nach dem Anlegen im kühlen Morgenlicht an Oberdeck.
 
Bild 3: Der ein oder andere nutzt die Gelegenheit, seine Lieben in Deutschland anzurufen.
 
Bild 4: Blick von der markanten Brücke über den Keweenaw Waterway zum Liegeplatz von DENNIS SULLIVAN und ROALD AMUNDSEN.
 
Bild 5: Laurens wird mit dem Krankenwagen direkt zu Dr. House gefahren und später dann vom Scrubs-Team (Motto: I'm no superman) behandelt. Und ich denke, ich gucke zu viel Fernsehen.
 
Bild 6: Ohne Worte

Sonntag, 25. Juli 2010

Fire Fighting Drill

Tobias stürzt aus dem mittleren Niedergang keuchend an Oberdeck. "Feuer! Es brennt in Kabine 6! Feuer!!" Es ist 14:18 Uhr. ich löse sofort mit der Alarmklingelanlage die Rolle 'Feuer im Schiff' aus und schicke sicherheitshalber noch ein "Zur Übung" hinterher. Die Besatzung reagiert blitzschnell, alle stehen nach wenigen Sekunden an Oberdeck. Britta prüft die Vollzähligkeit. Derweil wird die Ausrüstungs des Brandabwehrtrupps bereit gelegt. Daniel und Andreas streifen die Schutzkleidung über und schnüren die feuerfesten Stiefel. Masken auf, Sauerstoff auf, Druck geprüft: der Brandabwehrtrupp ist abmarschbereit und kann gegen Feuer und Glut vorrücken. "Katha fehlt", ruft Britta, "Sie liegt in Kabine 6!" Es geht um Leben und Tod. Wie lange überlebt ein Mensch im Rauchgas? derweil habe andere die mobile Pumpe an Oberdeck gebracht und machen sie startbereit. Maschinist Andreas rast in die Maschine. Kurz darauf röhrt der E-Diesel los und treibt den Generator an. Wir brauchen den Strom für die stationäre Feuerlöschpumpe. An Oberdeck füllen sich lasche Schlauchschlange bretthart mit Wasser und tanzen zwischen den Beinen der Helfer. Der trupp rückt vor und meldet aus Kabine sechs eine bewußtlose Gestalt, die unverzüglich gerettet wird. derweil haben Britta und Merret das Sauerstoffbeatmungsgerät berteitgelegt, geprüft und sind bereit, Erstversorgung zu leisten. Andreas und Daniel bringen schwitzend und keuchend Katha an Deck. Die Arbeit und Brandschutz und Sauerstoffmaske ist sauschwer. Sofort verschwinden sie wieder unter Deck und löschen den Brand mit Wasser. Es ist jetzt 14:27 Uhr. Danach klaren wir auf. Die Übung ist beendet. Es gibt heißen Kaffee, Tee und Pflaumenkuchen aus der Kastenform.
 
Neun Minuten - das war echt schnell. Wir sind keine Profis. Wir üben und geben unser Bestes, aber gedrillt sind wir nicht. Ich finde, die Übung ist exzellent verlaufen. Lob auch von der 1. Steuerfrau "Das war nicht schlecht". Mmmmh - irgendetwas ist ja immer. Nein, hier war nichts. Ich habe ein gutes Gefühl mit dieser Besatzung. Wir stehen zusammen. Daher gebührt allen ein ehrliches BRAVO ZULU (well done).
 
Bild 1: Übung beendet. Feuerwehrmann Andreas bekommt wieder frische Luft. Kapitän und Steuerfrau scheinen zufrieden zu sein. Die gelben Dinger sind übrigens unsere VHF-Walkie-Talkies. Mistdinger. Funktionieren bestenfalls schlecht, häufig jedoch garnicht.
 
Bild 2: Tobias und Laurens starten die mobile Feuerlöschpumpe; noch ist kein Druck auf dem Schlauch. Alle feuerlöschpumoen haben übrigens einen gravierenden, systemimanenten Nachteil: sie pumpen Wasser von draußen rein. Will sagen, sie pumpen Wasser dorthin, wo wir's nicht gebrauchen können, nämlich ins Schiff. deswegen läuft zeitgleich immer auch eine Lenzpumpe, die das Wasser wieder nach draußen pumpt. So entsteht idealerweise ein Kreislauf, der nebenbei auch noch ein feuer löschen kann.
 
Bild 3: Daniel steigt unter Atemschutz unter Deck und sucht die vermißte Katha.
 
Bild 4: "Pumpe läuft!". Die mobile Feuerlöschpumpe ist angesprungen, der Schlauch steht unter Druck. Laura hat auf Sprühstrahl gestellt und achtet darauf, das das Wasser direkt wieder nach draußen befördert wird.
 
Bild 5: Katha findet sich nur schwer in die Rolle der bewußtlosen Rauchgasvergifteten hinein. Kein Wunder, der liebenswerte Tobias sächselt ihr gerade was vor ...
 
Bild 6: Britta und Merret bereiten die Sauerstoffversorgung vor. Sehr professionell die beiden und dabei immer fröhlich.
 
Bild 7: Andreas ohne Maske: endlich wieder frische Atemluft und raus aus den schweren Brandschutzklamotten. Ein Glück, das wir heute nur 18 Grad Celsius haben und nicht 40 Grad, wie in Cleveland.

Unfall mit Folgen, Teil 1

Mit steckt noch die kalte und lange nachtschicht von heute morgen in den Knochen. Gerade hat die Wache zwei das Kommando über Brücke und Deck übernommen. Das bisher eher graukalte Wetter hellt spürbar auf, die Sonne scheint, der Himmel ist blau und es wird wieder wärmer. Ich hole mir mein neues John-Irving-Buch (Letzte nacht am Twisted River), stöpsel entspannende, ruhige Musik ins Ohr und lege mich auf die Steuerbordbank am vorderen Niedergang. Neben mir auf dem Deck liegt Friedo. Nach kurzer Zeit fallen mir die Augen zu, ich lege das Buch weg, wechsel von Entspannungsmusik auf Van Morrison, nicht weniger entschleunigend, und düsel wieder weg. Dann getrappel an Deck, kurze Kommandos, aufentern, Segel bergen. Ich blinzeln leicht benommen und unfähig, mich zu bewegen, in die Sonne. Ich weiß es nicht. Also muss ich mich aufraffen und fragen gehen.
 
Laurens hat backschaft, d.h. er verbringt seinen tag mehr oder weniger in der Kombüse und bereitet Mahlzeiten vor, wäscht ab und kümmert sich um das leibliche Wohl der Mannschaft. Das Laurens in der Kombüse werkelt, höre ich auf Wache sofort. Der gesamte achtere wird mit seiner Lieblingsmusik beschallt. Jetzt ist es still. Dafür diskutieren Lotse und Kapitän, funken und überlegen, was jetzt am besten zu tun ist. Laurens hat sich in den Finger geschnitten und sich diesen damit leicht gekürzt. Die Wunde schmerzt. Laurens hat einen Schreck bekommen. Inzwischen sitzt der Druckverband fest und die Blutung läßt nach. Die Maschine läuft an und wir nehmen mit acht Knoten Fahrt Richtung Küste, Richtung Copper Harbor auf der Halbinsel Keewenaw Peninsula. Lotse Steve informiert die US Coast Guard und bittet um Hilfe. Laurens soll ins Krankenhaus, mindestens aber einem Arzt vorgestellt werden. Hoch die Fahrt und hart das Ruder! ich unterstütze, wo ich kann. Ich bringe Laurens Abendessen und rede mit ihm, versuche, seine Stimmung aufzuhellen. Er wirkt durchaus fröhlich. Paracetamol-Tabletten unterdrücken seine Schmerzen.
 
Gegen 19:00 Uhr gehe ich in die Koje, da um spätestens 23:30 Uhr der erste Teil meiner Nacht vorbei ist und ich und die anderen wieder 'raus müssen. Schlaf ist besonders in Krisenzeiten ein kostbares Gut.
 
Leichte Unruhe weckt mich noch vor 23:00 Uhr. Ich stehe auf und gehe in die Navi. Mein Gefühl hat mich mal wieder auf die richtige Fährte gelockt: wir fahren nicht nach Copper Harbor, denn dort ist kein Krankenhaus. Also weiter nach Hankock. Um Mitternacht übernehme ich mit meinem Team die Verantwortung. Kurs West-Süd-West. Laurens schläft friedlich - ein Glück. Der Luftdruck steigt, die Nacht ist klar. An Backbord fließen einzelne Lichter einer hügeligen Küste dahin. Friedo meldet ein Fahrzeug an Steuerbord. Dann ein Anruf der US Coast Guard auf Kanal 16. Wir sollen auf 12 antworten. Klappt aber nicht. Offensichtlich ist die Funkfrequenz UHF-Kanal 12 nicht international abgestimmt und damit weltweit synchronisiert. Am Ende spricht Kapitän Patrick via cell phone mit der Coast Guard.

Fototechnische Experimente

Toppsi Andreas ist wie ich mit ordentlicher Kameraausrüstung angereist. Und als Computerbescheidwisser mit größerem technischen Hintergrund hat eine Bildbearbeitungssoftware dabei, mit der man auf Grundlage einer Belichtungsreihe höchst bemerkenswerte Aufnahmen realisieren kann. Belichtungsreihe? Üblicherweise setzt sich die Belichtung aus Zeit und Blende und Blende zusammen. Bei einer Belichtungsreihe mit vorgegebener Zeiteinstellung macht eine SLR-Kamera in Abhängigkeit von diversen Voreinstellung drei Fotos in kurzer Folge ein und desselben Objekts. das erste Bild wird normal belichtet. Das nächste Bild wird z.B. um eine Blende unter- und das dritte Foto um eine Blende überbelichtet. In meinem Beispiel entstanden die Belichtungsreihen beim Alice-Cooper-Konzert in Bay City. Die angesprochene Bildbearbeitungssoftware berechnet aus diesen drei Bildern nun ein erstaunlich plastisches Gesamtbild, auf dem ungewöhnliche viele details zu erkennen sind. Anders ausgedrückt könnte man, dass unterschiedlich helle Bereiche, wie Himmel (gern mal überbelichtet und damit konturlos), Bühne (eher überbelichtet) und Zuschauer (eher dunkel, da im Gegenlicht stehend bzw Restlicht Himmel nicht ausreichend) unterschiedlich belichtet werden. Die Ergebnisse meiner ersten Versuche sind vielversprechend.
 
Beide dieser Aufnahmetechnik ist drinegend ein Stativ empfohlen, da die drei Aufnahmen sonst ganz sicher 'verwackelt' sind. Ich hatte kein Stativ dabei und habe ganz auf die Bildstabilisierung meines Nikkor-Objektivs (85mm) vertraut. Trotzdem sind die Aufnahmen nicht deckungsgleich. Die schon angesprochene Software kompensiert dieses Manko rechnerisch. Das ist ganz okay, stellt mich auf Dauer aber nicht zufrieden. Desweiteren haben die Aufnahmen einen leicht unnatürlichen 'Touch'. Es sind also einige Testreihen bei unterschiedlicher Grundhelligkeit mit unterschiedlicher Belichtung notwendig. meine Aufnahmen sind u.a. mit der Voreinstellung entstanden, da jeweils eine volle Blende zwischen den Fotos liegt. Dies könnte auf 2/3 und sogar 1/3 Blende reduziert werden. Damit dürfte die Plastizität zwar abnehmen, aber der Realitätseindruck gesteigert werden. In der Software sind zahlreiche Einstellungen und Manipulationen möglich. Mit diesen habe ich mich noch garnicht beschäftigt. Wer selbst einmal recherchieren möchte: die Software heißt "Photomatix Pro 3". Da ich mitten auf'm See bin, kann ich grad mal nicht ins Netz schauen ...