Sonntag, 7. März 2010

Vorbereitungen und Vorfreude

Meine Liebste hat mir zum Geburtstag das Buch "USA - Grosse Seen" für meine Reisevorbereitungen geschenkt. Es hat fast 700 Seiten und ist mit furchtbar kleinen Buchstaben geschrieben. Meine speziell für solche Fälle vom Optiker empfohlene Lesebrille stößt dabei an ihre Grenzen: Arme zu kurz! Nun denn, werd' mich wohl demnächst mal nach einer Leselupe umsehen, so eine, die auch beleuchtet ist. Oder ich geh' zum Optiker meines Vertrauens und beanstande die Gläser der Brille, möglicherweise stimmt etwas mit dem Schliff nicht.

Das Buch sprengt den Rahmen dessen, was ich mir bisher unter einem 'Reiseführer' so vorgestellt habe. Das liegt wahrscheinlich daran, dass dies mein erster Reiseführer ist. Womit ich beim Thema Vorurteile angekommen bin. Da kann ich natürlich nur für mich sprechen, aber bezogen auf die Vereinigten Staaten von Amerika habe ich eine Menge Vorurteile im Kopf. Die korrespondieren allerdings hervorragend mit meinem geringen Wissen über die USA. Ich mag's kaum sagen, aber mein Amerikabild wird wesentlich durch das Fernsehen und ... schäm ... das Kino bestimmt. Von CSI über Star Trek, Life, Dr. House bis Avatar. Dann noch eine Prise 9/11 dazu. Leicht überwürzt mit Bush-Abneigung und Irak-Krieg. Fertig ist die unverdauliche, wenig nahrreiche Mahlzeit. Da helfen 13 Jahre Schule und vier Jahre Studium nix: Vorurteile bestehen gerne aus Beton. Selbst angemischt aus klebrigen Inkredenzien, hart und für die Ewigkeit gegossen. In meinem Fall dauerte diese Ewigkeit bis zu meinem fünfzigstem Geburtstag und dem Buchgeschenk von der "besten Ehefrau von allen" (dank an Ephraim Kishon!). Die ersten gut 170 Seiten des Reiseführers beschäftigen sich mit 'Land und Leute', Geschichte, Geografie, Wirtschaft und Gesellschaft. Gefolgt von reichlich und reichhaltigen allgemeinen Reisetipps. Geschichte, Geografie? Klingt wie ein Fächerkanon, den ich mit der Versetzung in die gymnasiale Oberstufe 1977 als unnötigen Ballast über Bord geworfen habe. Und nun das: Abends, wenn Ruhe einkehrt und Herz und Hirn den Weg für die Fantasie freigeben, nehme ich das Buch zur Hand und lese, nein verschlinge förmlich seitenweise amerikanische Geschichte. Interessant, spannend und gut gegen Vorurteile. Mich beeindrucken zum Beispiel die ersten Worte und Sätze der amerikanischen Verfassung, an deren Formulierung Thomas Jefferson (dritter Präsident) federführend beteiligt war:


"We, the People of the United States,
widmen den Vereinigten Staaten diese Verfassung,
getragen vom Willen, die Union zu vervollkommnen,
Gerechtigkeit zu schaffen, inneren Frieden zu gewährleisten,
für eine gemeinsame Verteidigung zu sorgen,
das allgemeine Wohl zu fördern
sowie uns und unseren Nachfahren den Segen der Freiheit zu bewahren."

Am 12. Juni 1776, wenige Tage vor der Unabhängigkeitserklärung, wurde die amerikanische Verfassung verabschiedet. Sie ist bis heute Vorbild und Beispiel für demokratische Verfassungen; auch für unsere deutsche Verfassung. Das Grundgesetz datiert vom 23. Mai 1949 - 173 Jahre nach der Verfassung der USA. "We, the People ..." - ich denke, intensiver und stärker kann man Demokratie und Freiheit kaum formulieren. 40 Jahre nach unserer Verfassung erschallt 1989 erstmals in Deutschland der Ruf "Wir sind das Volk". Vom "Der Staat ..." bis zum selbstbewußten "We, the People" ist es noch ein weiter Weg. Aber die Zeit dafür reift ...
Die nächsten Kapitel meiner Reiseliteratur beschäftigen sich mit den Siedlern und dem amerkanischen Bürgerkrieg. Ich freue mich auf Leseabende und das wohltuende Geräusch, das zerbröselnder Mental-Beton macht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen