Montag, 17. Mai 2010

Bay City und die Rollers

"Keep on dancing ..." schallte es 1971 aus dem Mono-Lautsprecher meines Radios. Flotte Popmusik einer schottischen Boygroup aus Edinburgh. Diesem ersten Hit folgten über Bye, Bye Baby und Saturday Night bis in die späten siebziger Jahre noch zahlreiche, besonders beim weiblichen Publikum beliebte Hits.

Die Stadt Bay City liegt im US-Bundesstaat Michigan am Ufer des Huron-Sees an der Saginaw Bay. Vom 15. bis 18. Juli gehen 11 Traditionssegler der "Great Lakes United Tall Ships Challenge" in Bay City vor Anker und nehmen am dortigen "Tall Ship Celebration" teil. Mit dabei z. B. die HMS BOUNTY, auf deren Deck 1962 Marlon Brando für den Film "Meuterei auf der Bounty" stand. Dann noch die holländische Bark EUROPA. Und, last but not least, die in Eckernförde beheimatete deutsche Brigg ROALD AMUNDSEN.

Die Band um den Sänger Leslie McKeown nannte sich bereits 1968 Bay City Rollers. Ursprünglich hieß die Pop-Formation Saxon und kam angeblich auf höchst ungewöhnliche Weise zu ihrem Bandnamen: Man warf damals einen Wurfpfeil auf eine USA-Karte und traf dabei die Stadt Bay City in Michigan. Ob die Band wohl ähnliche Erfolge gefeiert hätte, wäre der Pfeil unweit von Bay City in Kalamazoo stecken geblieben? Wir wissen es nicht und selbst Wikipedia weiß es nicht.

Es ist Mitte Mai und in Norddeutschland fragen wir uns, ob dieses Jahr der Winter direkt in den Herbst übergeht. Es ist kalt. Es regnet. Es stürmt. Und wir haben alle die Nase voll. Die ROALD AMUNDSEN schippert derweil mit ihrer Mannschaft von Martinique/Karibik die amerikanische Ostküste entlang zur Mündung des St-Lorenz-Stroms. Kurs Great Lakes. Wetter und Stimmung sollen wunderbar sein. Kunststück, denn die ROALD verzaubert gern mal ihre Passagiere.

1971 war ich 11 Jahre alt und wurde zur Herderschule in Lüneburg versetzt. Dort lernte ich meinen lieben Freund Henning kennen, mit dem ich Vieles teile. Wir haben beispielsweise einen sehr ähnlichen Musikgeschmack und waren damals in den späten Siebzigern gefragte Plattenaufleger bei stimmungsvollen Partys der Scharnebecker Landjugend. Ich geb's zu: Wir mochten die Rollers, haben ihre Platten gekauft und haben voll nach der Musik abgetanzt. Und ein Song wie Dedication war eine echte Alternative zu Nazareths Love Hurts, wenn wir mal so richtig beim Engtanzen an die Mädels ran wollten.

In genau acht Wochen besteige ich am 8. Juli in Hamburg das Flugzeug nach Cleveland/Ohio, um mich dort mit der ROALD AMUNDSEN und ihrer Crew zu treffen. Am 12. Juli stechen wir dann in See und segeln an Detroit vorbei nach Bay City. Die vergangenen freien Tage (langes, überwiegend Schlechtwetter-Himmelfahrts-Wochenende) habe ich mit intensiven Reisevorbereitungen verbracht. Dabei beschäftigte ich mich in zahllose Stunden am heimischen Computer mit Google Maps und sammelte Infos über Cleveland. Dazu mehr in einem späteren Post.

Henning und ich waren in der Herderschule für die Sammlungsräume für Erdkunde und Geschichte verantwortlich. Dort verbrachten wir unsere Pausen und gaben unseren Mitschülern die gewünschten Aufhängekarten und weitere Materialien für die Unterrichte aus. Eine Zeit lang bekamen wir auffällig oft Besuch junger, gut aussehender Damen, die uns gern in Gespräche verwickelten und offensichtlich großes Interesse an uns tollen Jungs hatten. Dachten wir jedenfalls. Bis dann eines dieser engelsgelockten Geschöpfe allen Mut zusammen nahm und die Frage aller Fragen stellte: "Darf ich das Rollers-Poster haben?" Wir Jungs hatten nämlich den schnöden Kartenraum mit Rollers-Postern aufgehübscht. Mit Honig lockt man Bären, mit Speck fängt man Mäuse und da haben wir uns so gefragt, ob man mit Rollers-Postern eventuell vielleicht das Interesse der Mädels wecken könnte. Man konnte!
Und dann war da noch die Sache mit der Whisky-Flasche, aber das ist eine andere Geschichte ...

Übrigens: 1) Bay City ist der Geburtsort der Sängerin Madonna. 2) Im Rahmen einer Städtepartnerschaft ist Bay City unter anderem mit Ansbach, Bayern verbunden. 3) Und dann war da noch der Schock-Rocker Alice Cooper, der 1972 mit seinem Hit Schools Out die internationalen Charts erstürmte. Alice Cooper wurde 1948 kaum mehr als einhundert Meilen südlich von Bay City in Detroit geboren. Und am 17. Juli 2010 gibt die Rock-Legende ein Live-Konzert in ... richtig! ... in Bay City. An dieser Stelle ist es angemessen, meinen lieben Freund Henning zu zitieren: "Es gibt keine Zufälle."

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen