Freitag, 9. Juli 2010

Passagier 11A

Ein Blick aus dem Fenster sagt mir, wir sind noch nicht über Holland, jedenfalls kann ich von hier oben nichts 'orangiges' erkennen. Noch schweben wir also über Deutschland auf einer Luftverkehrsstrasse Richtung West. Später schwenkt das Flugzeug, eine B757-200, sicherlich auf einen Großkreis in Richtung Newark / New Jersey ein. Sollte der Pilot unbekannte blinkende Lichter außerhalb des Flugzeugs entdecken oder anderweitig navigatorische Fragen haben, nun, ich helfe gern ...
 
Das Einchecken in Fuhlsbüttel verlief unkomplizierter als erwartet, aber auch unangenehmer, als gedacht. Gleich am sogenannten 'Kiosk' erwartete mich ein freundlicher Mitarbeiter von Continental und stellte mir sicherlich sinnvolle, aber im ersten Moment doch leicht irritierende Fragen. "Wann haben Sie Ihr Gepäck gepackt? Hat Ihnen jemand dabei geholfen? Wohin fliegen Sie und warum? Fünfeinhalb Wochen sind lang für einen Urlaub. Wo verbringen Sie die erste Nacht? Haben Sie ein Feuerzeug im Gepäck? ..." Ich kam kaum mit den Antworten nach und fühlte mich irgendwie ertappt, obwohl ja eigentlich nichts war bzw ist. Da ich mich Mittwoch noch via Internet eingecheckt hatte, durfte ich nach der 'peinlichen Befragung' zum "Elite"-Schalter. Und dann weiter zur Sicherheitskontrolle.
 
Anke vom Schiffsbüro sagte mir am Vortag noch, dass ich möglicherweise Friedo mit zwei Enkelinnen am Flughafen treffen würde. Und siehe da, direkt vor mir drei Menschen mit ROALD AMUNDSEN-Pullovern. Friedo fährt als Toppsi, also Toppsgast. Seine Enkelinnen als Deckshandsanwärterinnen. Nun sitzen wir im gleichen Flieger nach Newark und steigen nachher gemeinsam um nach Cleveland. Das wird interessant, da wir vor dem Umsteigen durch den Zoll und die Einwanderung müssen. Friedo hat ROALD Stofftaschen ("Die gehen in USA wie verrückt", sagt Anke) dabei und die gelten als Handelsware sind also theoretisch irgendwie anmeldungspflichtig oder so. Und ich Depp hab heute morgen noch schnell und ziemlich gedankenlos eine Tüte HARIBO Gummibärchen in meine Reisetasche geworfen und dann bei der Zollerklärung bei der Frage, ob ich Lebensmittel einführe, locker ein Nein angekreuzt. Nun, die vom Zoll wollen ja auch was zu tun haben ...
 
Die Sicherheitskontrollen für USA-Flüge sind doch etwas intensiver als für einen Flug im Touri-Bomber nach Malle. Ich mußte in einen extra Raum und wurde extra gefilzt. Gutes Gefühl, das die Leute am Flughafen aufmerksam und sorgfältig arbeiten. Netbook, Kamera, USB-Stick, diverse Verbindungs- und Ladekabel wurden auf versteckten Sprengstoff durchsucht. Glücklicherweise hatte ich heute mal kein c4 dabei. Dann durfte ich wieder einpacken und wurde mit dem gut Rat "Lassen Sie Ihr Handgepäck nicht unbaufsichtigt!" freundlich entlassen. Also weiter zum Gate A19.
 
15 Zentimeter links von mir sind jetzt minus 48 Grad Celsius. Gut zehn Kilomter unter mir liegt Wales. Sagt jedenfalls der Bordcomputer. Ich teile mir eine Dreier-Reihe mit mit einer höchst charmanten Passagierin. Sie heißt Emma, hat blonde Haare, ist eher schüchtern (hab sie aber gerade mit HARIBO Colorado zu einem Lächeln verleitet) und vielleicht 9 oder 10 Jahre alt. Wir haben beide Stöpsel im Ohr. Sie schaut sich einen Zeichentrickfilm an und ich bediene mich gerade akustisch am Entertainment Computer und höre Musik. Echt coole Auswahl z.B. unter der Rubrik "Rock": Jetzt läuft "Dark side of the moon" von Pink Floyd und nachher höre ich vielleicht noch "A night at the opera" von ... na, von wem schon ... von Queen. Hinter mir sitzt eine junge Mutter (könnte eigentlich auch die Nanny sein) mit zwei jungen Jungs. Beide noch im Kindergartenalter und reichlich rebellisch. Spitz erschallt "Stop it" hinter mir und einer der zwei Nasen ist tatsächlich mal ruhig; jedenfalls für die nächsten Sekunden. Vielleicht unterstütze ich die Nanny (hab mich jetzt festgelegt) später mal bei der Bändigung der Energiebündel und bringe denen ein paar deutsche Erziehungskommandos bei. Die Höflichkeit gebietet es, hier nicht näher darauf einzugehen ...
 
Friedo hat für die Einreisegenehmigung den Liegeplatz des Schiffes (Dock 30, 1st position) und damit keine reguläre Anschrift angegeben. Man braucht aber eine Adresse. So eine echte, richtige Adresse. Nun wird er in regelmäßigen Abständen aufgerufen, um die Sitruation zu klären. Ich gebe ihm die Anschrift der Port Authority des Port of Cleveland. Die hab ich auch genommen und jedenfalls mit diesem Thema (noch) keine Probleme. Okay, sie haben ja auch meine Goldbären noch nicht entdeckt ...
 
Das Mittagessen kommt. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass es jetzt in Hamburg 10:30 ist, damit steht die Uhr in Newark auf 04:30 a.m. Mittagessen? Frühstück hätte auch gereicht: Mal sehen, was es gegen mittag gibt. Übrigens war echtes Besteck dabei. Messer, Gabel und Teelöffel. Mir gehen so Fragen durch den Kopf, ob man damit nicht mal checken könnte, wie aufmerksam der Sky-Marshall ist, entscheide mich dann aber doch, freidlich auf meinem Platz zu bleiben. Aus dem Kopfhörer erklingt gerade "Death on two legs". Gut Entscheidung von mir.
 
Vor mir sitzt eine leicht zu Hysterie und Kraftausdrücken neigende ungefragt mitteilsame Deutsche. Schon am Gate fiel sie mir durch leicht pöbelige Äußerungen auf. Gerade hat sie ihre Sitzlehne mit Wucht in die maximale Position nach hinten geknallt. Und noch mehrfach nachgeruckelt, ob das denn wirklich schon die Endstellung ist. Damit ist mein Raum auf die Größe eines Käfigs für Zwergpapgeien geschrumpft. Glück ist jedoch, dass ich meine Lesebrille dabei habe, denn mit der kann ich, durch den Mikrobereich blickend, weiterhin die Informationen auf dem Display vor mir entziffern.
 
"You're my best friend" ... to whom it may concern.
 

Dienstag, 6. Juli 2010

Kurz vor der Abreise

Kürzlich wurde ich gefragt, ob mich denn schon das Reisefieber gepackt hat. Bis zum Zeitpunkt der Frage nicht, aber seit dem steigt die Fieberkurve täglich. Hab ich an alles gedacht? Wann fliege ich nochmal; Donnerstag oder Freitag? Fehlt noch etwas an Ausrüstung, Toilettenartikel, Lesestoff, Hörbücher, etc. Wenn nein: warum nicht? Wenn ja: dann wirds aber Zeit! Schnell den Törnplan gecheckt ... huch ... wir besuchen noch Sault St. Marie. Zwei mal touch-and-go, um abgefahrene Crew zu tauschen. Nachts wache ich auf und dann gehen mir merkwürdige englische Begriffe und Formulierungen durch den Kopf. Irgendwie hab ich den Eindruck; meine Software bekommt ein update und rebootet.

Englisch? Moment, da war doch was. Wo ist eigentlich mein kleines Langenscheidt-Wörterbuch im handlichen Hosentaschenformat? Ich sitze im Büro, Schweiß rinnt über meine Stirn. Schublade? Fehlanzeige! Bücherschrank! Auch nicht. Panik steigt in mir auf. Im Spind vielleicht? Jaaa ... da ist es ... nein ... da liegt nur mein Französisch-Wörterbuch. Ein Notfall! Und was macht der souveräne Marineoffizier in ausweglosen
Situationen? Richtig, er ruft seine Frau an. "Hallo Schatz ... keine Zeit ... Englisch-Wörterbuch ... Wo? ... Nicht bei meinen vorbereiteten Sachen auf dem Wohnzimmertisch? ... Vielleicht in der Sauna (?!?)? ... Ahhh ... im Schlafzimmer auf dem Boden direkt neben meinem Bett ... danke ... bis nachher."

Zur Zahl "47" habe ich mich an dieser Stelle schon geäußert. Gestern rief ich im Schiffsbüro an, um Reisedaten und weitere Informationen abzugleichen. Interessant sind beispielsweise so Dinge wie: Wo liegt eigentlich die Roald in Cleveland? Habt ihr eine Telefonnummer? Die Antwort kam schnell: Dock 30, Position 1, farthest west. Für Googler: An der nördlichen Pierseite unmittelbar am 'Clevelands Brown Stadium'. Dort ist ein Schuppen und um die Ecke das 'Steamship William G. Mather'. Und nach ca. 300m Weg findet sich das 'Great-Lakes-Science-Center' sowie die 'Rock'n Roll Hall of Fame'. Die nächste Strassenbahnhaltestelle (übersetz das mal ins Englische! Wie wär's mit 'street train station'? 'Tram stop' sagt mein Wörterbuch.) heisst 'W 3rd' Street und hat im Netzplan der RTS Cleveland die Nummer 47. Tja, es gibt einfach keine Zufälle.

Es ist heiß draußen. Du quälst dich zu Fuss durch die Stadt. Der Asphalt wabert; die Socken qualmen. Der Schweiß rinnt dir durch alle Poren und Furchen deines Körpers. Du bist genervt, willst nach Hause und etwas Kühles trinken. Die erste Fata Morgana steigt vor deinem geistigen Auge aus der erbarmungslosen Glut auf. Genau in diesem Moment tritts du in ein achtlos hingespucktes Kaugummi der Marke 'Super-Bubbel' oder wahlweise in frische, erst leicht oberflächlich angetrocknete Hundesch..... in der fröhlichen Frolic-Farbe rot-braun. Es klebt an deinen Schuhen und du wirst es nicht wieder los. So ungefähr fühle ich mich heute. Ich bin genervt, habe Fluchtfantasien und der Uhrzeiger braucht für eine Stunde soviel Zeit, wie sonst für einen ganzen Tag. Alles ist zäh, nichts fließt. "Fahr doch einfach nach Hause", flüstert mir eine mir wohlbekannte, innere Stimme zu. Die höre ich immer dann, wenn Verlockung und Versuchung überall da ist, wo ich gerade nicht bin.

Es wird Zeit, dass es endlich losgeht! Die fünfeinhalb Wochen Pause tun mir bestimmt gut. Abstand zum Dienst. Durchlüftung von Herz und Verstand. Danach ... ach, daran will ich jetzt garnicht denken. Hier und heute zählt. Und das von Tag zu Tag. Das schönste an der Seefahrt ist die Freude auf die Heimat. Dabei fange ich jetzt schon an, meine Liebste und meine Kinder zu vermissen ... ein tolles Gefühl; besonders, wenn man die Alternative bedenkt.

Samstag, 12. Juni 2010

Duluth - was ist das denn?

Um es kurz zu machen: Ich weiß nicht mal, wie man dieses Wort richtig ausspricht und habe noch nie davon gehört. Die Stadt Duluth liegt im US-Bundesstaat Minesota. Und den findet man im Norden der USA am Lake Superior und Duluth ist der westlichste Hafen der Great Lakes. Glaubst du nicht? Guckst du hier:

Ursprünglich wurde in der Gegend des heutigen Duluth im 17. Jahrhundert eines Handelsstation für Pelze. Wirtschaftliche Bedeutung erlangte die Gegend durch den Erzabbau sowie die Erschließung mittels Eisenbahn. 1865 erhielt die Siedlung den Namen Duluth. Damals wurde durch den Bau von Kanälen und Schleusen die Zufahrt großer, seegehender Schiffe nach Duluth ermöglicht und die Region damit an den weit überregionalen Handel mit Erzen und Metallen angebunden. Also ist Duluth eine, zumindest ehemalige, Industriestadt. Klingt wahnsinnig spannend.

Im Sommer diesen Jahres ist Duluth Gastgeberin des Great Lakes Festivals und erwartet hierzu die Traditionsschiffe der GLU TSC (Great Lakes United Tall Ships Challenge). Auf der entsprechenden Internetseite wird das Event wortakrobatisch mit „The romance and grandeur of a bygone era comes to life for the biggest week of Duluth’s storied history. Eight magnificent tall ships will sail into port. An armada carrying the mystique of a far-off time and place” angekündigt ( http://visitduluth.com/tall-ships/ ). Ich finde, mehr geht nicht. Nächste Woche schaue ich mal im Hamburger Hafen, ob ich da vielleicht eine Augenklappe, ein Holzbein und einen Papagei finde. Und natürlich noch einen Säbel. Die Amis werden ausflippen! Besonders diejenigen, denen ich bei der Einreise mein Equipment erklären muss …

Traurige Berühmtheit erlangte die Stadt 1920 durch eine Lynchtat. Sogenannte ehrbare Bürger töten drei Afro-Amerikaner (so sagt man heute politisch korrekt) – damals wohl eher als Nigger bezeichnet – weil sie glaubten, diese hätten ein (natürlich weißes) Mädchen vergewaltigt und getötet. Nach der grausigen Selbstjustiz tauchte das Mädchen unversehrt wieder auf. Klingt ein wenig nach ‚Wilder Westen’, Rassentrennung etc. und bringt bei mir zahlreiche Vorurteile über die Amis „in the middle of nowhere“ zum Klingen. Vor allem erwarte ich, dass in Duluth das offene Tragen eines Colts zum guten Ton gehört und ein kerniger Kneipenabend stilecht mit einer Schießerei, mindest aber mit einer Prügelei endet. Als kultivierter Mitteleuropäer, deutscher Romantiker und Weltverbesserer frage ich mich, ob meine zarte Seele diesen Eindrücken wohl gewachsen sein wird.

Laut Programm laufen wir am Mittwoch, den 28. Juli in Duluth ein und bleiben fünf bis sechs Tage. Meine ersten Eindrücke via Google-Maps und Streetview sind zwiespältig. Das hat einen Vorteil: Ich kann vor Ort nicht enttäuscht, sondern nur positiv überrascht werden. Na ja, wird schon.

Duluth’ über alle Grenzen hinweg bekanntester Sohn ist übrigens ein weltberühmter Musiker. Wer mag das wohl sein? Es ist Bob der Dylan. Möglicherweise steht seine eher dem Protestgenre zuzuordnende, etwas nölige Musik unmittelbar im Zusammenhang mit seiner kindlichen Sozialisation im trist-depressiven Duluth. Egal. Ich sag’s offen: Ich mag Dylan nicht. Mochte die Musik und den Typen nie. Protest finde ich zwar gut, aber nur meinen eigenen. Wahrscheinlich dröhnen mir in Duluth aus jedem verfl... Lautsprecher Duluth besch... Dylan-Songs entgegen. Kein Problem, besorg ich mir halt auch einen Colt und kommuniziere mal auf in-the-middle-of-nowhere-amerikanisch, was ich von dem Sch… Bob Dylan halte. (Sorry, ich übe gerade stilecht zu fluchen. Das gehört sich in f.. Amerika so und ich demonstriere damit meine interkulturelle Kompetenz.)

Gemäß meinem Reiseführer habe ich in Duluth wider Erwarten doch mit einigen Sehenswürdigkeiten zu rechnen. Es gibt die berühmte Aerial Lift Bridge, man kann Kutschfahrten an der Waterfront unternehmen, das Schifffahrtsmuseum besuchen und einen alten Frachter besichtigen. Dann gibt’s da noch ein Aquarium und eine alte Dampflok zu sehen. Na denn …

Wahrscheinlich wird Dultuh der beste und schönste Hafen meiner Reise, ich lerne dort die nettesten und freundlichsten Menschen der Welt kennen und erfreue mich an kulturellen Höhepunkten einer ausgeprägten künstlerischen Szene. Vielleicht gehe ich mit Ureinwohnern auf die Jagd, schlafe in einem Tipi und reite einen Mustang. Wie auch immer, in einigen Wochen bin ich schlauer und berichte dann live aus Duluth, Minnesota, USA.

Eine Ansage noch in eigener Sache: Den Seemann zieht's zwar immer wieder hinfort und doch liebt er seine Heimat und seine Lieben. Und um das mal wieder so richtig zu spüren, labert er was von Fernweh und verschwindet dann für Wochen. Doch kaum entschwindet der Heimathafen am Horizont und das erste Fernweh ist gestillt hat er gern mal - na was wohl? - na klar, Heimweh.

Eckernförder Leuchtturm im Herbstlicht

Blick auf den Eckernförder Hafen. Wie mag wohl der Zweimaster da im Hafen heißen?

Samstag, 5. Juni 2010

Alles hängt mit allem zusammen - 47


"Merkwürdig irgendwie - im Titel ein Tippfehler (47 statt 42) und dann noch ein Bild auf dem nullkommanix zu erkennen ist." So oder so ähnlich könnte dein erster Eindruck von diesem Post sein. "Keine Ahnung, was Michi eingeschmissen hat, aber das geht jetzt mal echt zu weit."

Ertappt? Wenn ja, weiß ich nun zwei wichtige Dinge von dir. Erstens kennst du die Antwort auf die Frage aller Fragen, nämlich die nach "dem Leben, dem Universum und allem". Nach rund siebeneinhalb Millionen Jahren Rechenzeit eines wahrscheinlich traumatisierten Elektronengehirns lautet die Antwort darauf "42". Zweitens wird deutlich, dass du mindestens eine Rot-Grün-Schwäche wenn nicht schwerwiegendere Probleme mit deinen Augen hast und mal den Optiker deines Vertrauens aufsuchen solltest. Ich für meinen Teil bin an dieser Stelle (mal wieder) bockig: Ich meine 47 (siebenundvierzig) und bleibe dabei. Übrigens: Bezogen auf die Basis 5 ist die 47 in Wirklichkeit eine 142. Was wiederum bedeutet, dass die 142 nichts anderes als eine aus dem Dezimalsystem konvertierte Primzahl ist. Für diese Erkenntnis habe ich wenige Sekunden benötigt, was beweist, dass das menschliche Gehirn jedem Computer weit überlegen ist. Noch Fragen?




Mein persönliches, und sicherlich auch etwas spezielles Verhältnis zur Zahl 47 begann ungefähr am 01. Oktober 1986 etwa gegen 08:00 Uhr Ortszeit in Flensburg-Mürwik im 3. Schnellbootgeschwader. Ich trat meinen Dienst als Bootswaffen- und Wachoffizier auf dem Schnellboot S 47 Jaguar an. Nach gut drei erlebnis- und ereignisreichen Jahren, allein mit diesen ließe sich ein Buch füllen, verließ ich "den Jaguar" 1990 mit erfolgfreich absolvierter Kommandantenprüfung. Privat ging damals auch einiges ab: Ich heiratete und wir bekamen unser erstes Kind. Letzteres übrigens, weil der I WO (Erster Wachoffizier) 1988 in einem Cafe in Arcachon meinte, ich solle Vater werden, das wäre echt toll. Gut, dachte ich mir damals, dann mache ich das jetzt mal ...

Seitdem begegnet mir die Zahl 47 ständig bei allen möglichen Gelegenheiten. Fahre ich auf der Autobahn z.B. nach Köln, findet sich ein Hinweisschild "Köln - 47km". Das klappt übrigens auch mit (fast) jeder anderen Stadt. 1990 zogen wir nach Eckernförde in unser erstes Haus in die Geschwister-Scholl-Str. Hausnummer? Selbstverständlich die 47. Acht Jahre später bewarben wir uns bei der Kirchengemeinde Borby für ein Baugrundstück. Das uns zuerst angebotene Grundstück lehnten wir aus heute unerfindlichen Gründen ab. Nun wohnen dort liebe Nachbarn - mit der Hausnummer 47. Na ja, ich könnte jetzt noch reichlich weitere Beispiele aufführen, möchten aber vermeiden, an dieser Stelle noch weiter in Richtung Esoterik abzudriften.

2007, dass wußte ich schon lange im voraus, wird mein Jahr. Ich werde 47 Jahre alt und erlebe dann das schönste Jahr meines Lebens. Es kam anders. Ganz anders. Mein Vater starb plötzlich und ich selbst hatte größte gesundheitliche Probleme. Auf jeden Fall ein Jahr, an das ich mich immer erinnern werde.

Es gibt nur einen Ort, an dem ich der 47 noch nicht begegnet bin. Auf der ROALD AMUNDSEN ist mir 'meine' Zahl jedenfalls noch nicht aufgefallen. Auch bei meinen Reisevorbereitungen für die Great Lakes Tall Ships Challenge (hab ich, glaube ich, an anderer Stelle schon mal erwähnt) ist bisher vollkommen siebenundvierzigfrei. Ein gutes Zeichen? Ein Omen? Muss ich mir Sorgen machen? Man weiß es nicht.

Gestern erzählte ich einem lieben Menschen von meiner 47-Manie und ruckzuck bekam ich ein Buch in die Hand gedrückt, in welchem Zahlen und ihre Bedeutung erläutert wurden. Es ist von Doreen Virtue und heißt "Die Zahlen der Engel". Und dort war nachzulesen, dass Menschen, die eine hohe Affinität zur 47 haben, besonderen Schutz himmlischer Wesen geniessen und diese Unterstützung auf Nachfrage noch ausbaubar wäre. Und als Seemann kann ich nur sagen: Gut so! Solch freundliche Unterstützung kann man auf dem Wasser immer gebrauchen. Und es ist auch kein Aberglaube, wie ahnungslose Landratten jetzt vermuten könnten. Nein, nein, es hat mehr mit Tradition und Erfahrung zu tun. Oder warum schütten Seeleute auch heute noch den ersten Schluck (Bier meistens) über Bord? Natürlich, um die Geister, Rasmus, Neptun und dergleichen zu besänftigen. Wer jetzt denkt, ich spinne ("Klar, die 47 ist auch eine 142!") möge doch bei nächster Gelegenheit mal mit an Bord der ROALD kommen und nächstens bei schäumdender See einen Sturm in Orkanstärke abreiten. Spätestens da kann man Engel wirklich gut gebrauchen!


Freitag, 28. Mai 2010

Lust und Last

"Lust und Last"? - klingt irgendwie nach geronto-erotischen Verlustphantasien eines 50-Jährigen in der midlife-crisis, oder? Egal, eigentlich geht's hier um Lust und Last beim Thema Kameraausrüstung. Genauer, um Freude und Frust bei Planung und Umsetzung diverser Erweiterungen meines fotografischen Equipments. Aber alles schön der Reihe nach.

Von meinem lieben Freund Henning war ja schon an anderer Stelle dieses Blogs die Rede. Henning und ich, damals hießen wir noch Gninneh und Kochi, belegten im Kurssystem der gymnasialen Oberstufe in den späten Siebzigern gemeinsam, getrennt gab's uns auch nicht, einen schönen Kunstkurs mit dem Thema "Portraitfotografie". Lehrer war, ich glaube mich zu erinnern, Herr Ralph (mit seiner sehr netten Tochter Frauke). Als modernes mathematisch-naturwissenschaftlich-sprachliches Gymnasium verfügte die Herderschule in ihrem Lüneburger Neubau über ein mehrräumiges Fotolabor mit Dunkelkammer. In dieses wies man uns ein. Wir lernten verdunkeln ohne Fliegeralarm, Rotlicht ohne entsprechendes Milieu und den Umgang mit Chemikalien ohne Verpuffung.

Ich bin kein durchgehend leidenschaftlicher Fotograf. Es gab zahlreiche Jahre, in denen ich keinerlei fotografische Ambitionen erkennen ließ und meine Ausrüstung ungenutzt im Abstellraum ihr Dasein fristete. Dann irgendwann hat's mich wieder gepackt und ich kaufte mir eine Pentax-Kleinbild-Spiegelreflexkamera mit Normal- und Telezoomobejektiv. Mit dieser Kamera hatte ich viel Spaß, jedenfalls so lange, bis das Tele den Geist aufgab und Ersatz bzw. eine Neuanschaffung anstand. Inzwischen hatten findige Tüftler DSLR's, sprich digitale Spiegelreflexkameras, erfunden. Ich entschied mich vor vier Jahren für eine Nikon D70s mit Tamron Zoom-Objektiv (18-200mm). Anfangs ging das ganz gut. Dann kam der Tag, an dem ich mich näher mit der technischen Qualität meiner Fotos beschäftigte. Was soll ich sagen? Ich hatte am falschen Ende gespart: Das Objektiv taugt nix.

Gninneh und ich haben damals durchaus experimentell fotografiert. So entstand z.B. ein Foto mit meinem Freund mittig drauf, aber man sieht ihn nicht, da eine lange Belichtungszeit in Kombination mit schneller Bewegung zu partieller Unsichtbarkeit führt. Guckst du hier:



Dieses damals bahnbrechende Foto entstand übrigens mit einer Kamera der Marke Voigtländer. Und für alle Leser (auch Leserinnen): Das Auto ist ein VW Käfer 1303 mit 1300 Kubik, 44 PS in ravennagrün (Farbnummer L 65 K). Mit dem konnte man in den Siebzigern locker einen 200er Diesel versägen.
Was tun? Ein neues Objektiv muß her! Auf meinem großen Sommertörn mit der ROALD AMUNDSEN möchte ich doch wieder reichlich fotografieren und mich nicht anschließend ärgern müssen, dass die Fotos irgendwie sch... sind. Welche Objektive passen am besten zu meiner Nikon? Richtig, Nikon-Objektive, aber die kosten richtig Geld ... Also hab' ich erstmal im Internet recherchiert und Fachliteratur gewälzt. Dabei kam mir die Idee, statt einem Objektiv doch gleich zwei zu kaufen. Warum? Ich verzichte auf den Zoom und arbeite dafür lieber mit Festbrennweiten (wie früher). Das macht die Sache übersichtlicher und eröffnet fototechnisch interessante Horizonte, wie z.B. größere Lichtstärke und bessere Bildqualität (superscharfe Bilder ... äh, technisch gesehen selbstverständlich!) zu vertretbaren Preisen. Also bin ich mal zum Gucken nach Altona zum Mediamarkt gefahren. Da hab ich dann diese Woche Herrn Lünstedt kennen gelernt.
Gninneh und ich haben ausschließlich die guten SW-Filme von Ilford mit 100 ASA (und manchmal auch die teuren mit 400 ASA) für unsere Kunstwerke genutzt. Und dann sind wir losgezogen, mehr oder weniger zielgerichtet und haben drauflos fotografiert. Ein Fotoladen hat unsere Filme für wenig Geld entwickelt und danach sind wir in unser Schul-Fotolabor gegangen und haben dort köstliche Stunden verbracht. Zunächst haben wir mittels Vergrößerungsgeät Abzüge aufs Fotopapier projiziert, dieses dann in 'Entwickler' getaucht, gewässert, fixiert, nochmal gewässert und getrocknet. Dabei haben wir viel experimentiert und der Anstand verbietet es, an dieser Stelle aussagekräftige Beispiele zu zeigen.

Herr Lünstedt ist das Gegenteil des von mir bei Mediamarkt erwarteten Verkäufers. Er nahm sich Zeit für mich, zeigte mir diverse Objektive und erläuterte mir deren Unterschiede, Vorzüge und Nachteile. Dabei fiel mein Blick besonders auf ein 85mm-Nikkor-Objektiv für rund 500 Euronen. Er sagte nur: "Nikon-Objektive sind ganz schön teuer, dafür aber auch sehr gut. Wenn Sie Interesse haben, lasse ich Ihnen das 85er für 400." Meine Vorab-Internetrecherchen hatten als günstigsten Preis 470 € ermittelt. Nach gut einer Stunde verließ ich einigermaßen verwirrt und desorientiert den Markt. Was sollte ich nur machen? Noch ein lichtstarkes 50mm Sigma-Objektiv dazu nehmen? Oder doch lieber ein multifunktionales Zoom? Und das Blitzgerät SB-600 bräuchte ich eigentlich auch noch. Diffusor, Filter und ... ach ja ... einen Fernauslöser selbstverständlich auch noch. Was wohl die beste Ehefrauen von allen dazu sagen wird? Ich setzte mich jedenfalls wieder in die SBahn und fuhr zwecks körperlicher Ertüchtigung zu meiner 'Frauengruppe'.

Unser Fotokurs ist ein schönes Beispiel dafür, welchen Einfluß Schule auf Menschen haben kann. Henning für seinen Teil hat aus dem Nachlaß seiner Eltern deren Fotoequipment inkl. vollständiger Laborausstattung übernommen. Und ich versuche noch immer, ein einigermaßen anständiges Foto hin zu bekommen. Anständig im künstlerischen Sinne. Wir waren (und sind) schon echte Helden.


1980 bin ich dann nach dem Abi zur Marine gegangen und habe mir rechtzeitig vorher meine erste eigene Kamera, eine Yashica FR, gekauft. Die habe ich noch heute. Allerdings benutze ich sie schon seit Jahren (eher Jahrzehnten) nicht mehr. Mit der habe ich tolle Fotos besonders von meiner Zeit auf der GORCH FOCK gemacht. In der Grundausbildung war ich mit einem Franken namens Joachim (Spitzname Lohmi) auf einer Stube. Er hat sich von der Fotografierei anstecken lassen und sich ebenfalls die Yashica gekauft. Und dann sind wir beide, er im Vortopp und ich im Großtopp, aufgeentert und uns dabei auf dem schönsten Segelschiff der Marine gegenseitig fotgrafiert.

Nach einigen Telefonaten, mit meiner Liebsten, mit Herrn Lünstedt, und nach weiteren Recherchen habe ich mich dann entschieden und zugeschlagen: Das 85er habe ich im Mediamarkt gekauft, dazu das Blitzgerät SB-600 (50 € Preisnachlass) sowie zwei UV-Filter. Als 'Immerdrauf'-Objektiv wollte ich noch das Nikkor mit 35mm Festbrennweite mitnehmen, leider hatte Herr Lünstedt dieses nicht vorrätig und empfahl mir eine andere Bezugsquelle. Nächste Woche wird es geliefert, dazu ein Diffusor für den Blitz (macht 'weiches' Licht) und einen IR-Fernauslöser (macht mit Hilfe eines Stativs verwacklungssichere, sprich extrem superscharfe Bilder) für meine Nikon. Zusammen habe ich für alles weniger als 900 Euro ausgegeben. Viel Geld, aber ich habe durch erstklassige Beratung und gute Angebote rund 200 Euro gespart. Ich hab Herr Lünstedt mal direkt drauf angesprochen, dass ich so viel Kompetenz beim Discounter nicht erwartet habe. Das Rätsel war schnell gelöst: Er ist gelernter Fotofachmann und selbst auch leidenschaftlicher Fotograf, der sich mit den gleichen Fragen wie ich beschäftigt hat. Vielen Dank, ich kauf gern weder bei Ihnen!

Für den Kunstkurs "Portraitfotografie" habe ich im Schuljahr 1978/79 satte 12 Punkte eingeheimst. Mehr Punkte habe ich danach in der Oberstufe in keinem Kurs mehr erhalten. Das lag aber eher daran, dass es im norddeutschen Schneekatastrophenwinter so richtig mit den Mädels losging und sich daher mein Fokus eher auf Zwischemenschliches als auf schöde Noten einstellte.

Gestern Abend habe ich spontan eine 'Fotorunde' in Blankenese gedreht und mein Nikkor mit Bildstabilasator ausprobiert. Das Ergebnis hat mich total überzeugt: Das Geld ist bestens angelegt und ich kann der Reise in die USA zumindest fototechnisch maximal gelassen entgegen sehen.



Mittwoch, 19. Mai 2010

Moderne Zeiten in Cleveland

Bis in die frühen siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts war in Cleveland traditionell Schwerindustrie angesiedelt. Nach mehr als 10 Jahren des Niedergangs, die Bevölkerung nahm zwischen 1970 und 1982 von 900.000 auf 500.000 Einwohner ab, entwickelte sich die zweitgrößte Stadt Ohios zu einem modernen Dienstleistungs- und Kulturzentrum am südlichen Ufer des Eriesees. Heute ist Cleveland ein Anziehungspunkt für Touristen und im Sommer vom 7. bis 11. Juli Gastgeberin der „Great Lakes United Tall Ships Challenge“.


 Cleveland ist meine erste Station an den Großen Seen. Am 8. Juli lande ich gegen 4 pm (23:00 Uhr MESZ) aus Hamburg via New York kommend auf dem „Cleveland Hopkins International Airport“. Bis 6 pm erwartet mich Kapitän Ulrich an Bord der ROALD AMUNDSEN. Ich bin dann einer von drei Steuerleuten, die ihm für die nautische Sicherheit und die Ausbildung der Trainees verantwortlich sind. Leben und arbeiten auf einem Traditionssegler. Seefahrerromantik und fröhliches Miteinander. Mein Reisefieber steigt von Tag zu Tag. Cleveland Tall Ships Festival

Einer der bekanntesten Söhne Clevelands ist John D. Rockefeller. Er gründete 1870 das Erdölimperium Standard Oil mit Sitz in Cleveland. Der Konzern nennt sich heute ExxonMobil und ist eines der größten und wertvollsten Unternehmen der Vereinigten Staaten. Uns in Deutschland ist Standard Oil bekannt als Esso (Motto: „Pack den Tiger in den Tank“). Der Name Esso leitet sich von den zwei phonetisch ausgesprochenen Buchstaben S O für Standard Oil ab.

 Moderne Zeiten sind das. Da reist du nach Cleveland und kannst dir vorab bei einem virtuellen Stadtrundgang schon mal das anschauen, was dich interessiert. Moderne Zeiten? Klingt irgendwie auch nach kontrollierter Langeweile. Ausgesprochen praktisch ist dagegen, dass mir die freundlichen Google-Menschen ermöglichen, mich im Detail mit der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Flughafen zur Lakeside zu informieren. Ist schon toll, was die da so im Programm haben bei Google: Am Flughafen in die „Red Line“ (U-/S-Bahn) einsteigen, bis zur Station Tower City Rail (ZOB) fahren, dort in die „Blue Line“ oder „Green Line“ (beide Straßenbahn) umsteigen und wenige Minuten später an der Station 3. Strasse West (W 3rd St) auszusteigen. Mehr Details zu Fahrplänen etc gefällig? Guckst Du hier: Haltestelle W 3rd St Zoomst du dich noch tiefer in die Karte hinein, sind weitere Details erkennbar. Gebäude erscheinen andeutungsweise in 3D, sogenannte Points-of-Interests (kennt man vom Navi) wie Restaurants werden erkennbar. Ein weiterer Klick und ich stehe per Google-Streetview auf der Chester Ave und schaue mir das Greyhound-Gebäude an. Eigentlich … also, eigentlich muss ich jetzt gar nicht mehr nach Cleveland; kenn ja schon alles.
 
 
Die ehemaligen Industriegebiete sind heute zum Flats District und Warehouse District urbanisiert und kultiviert worden. In den alten Fabrikgebäuden finden sich zahlreiche kleine Geschäfte, Restaurants, Bars und, prägend für Cleveland, eine sehr lebhafte Musikszene. Ich freue mich schon auf entspannte Stunden in der Sonne sitzend, dem Soul, Swing oder Blues lauschend, ein kühles Bier trinkend den Tag (oder Abend) zu genießen.
 
Und als Rockmusikfan freue ich mich besonders auf einen Besuch in der „Rock and Roll Hall of Fame & Museum“. Dieses Museum beschäftigt sich auf sieben Stockwerken ausschließlich mit der Geschichte der Rockmusik. Genauer: mit der Entwicklung der amerikanischen Rockmusik. Außer den Beatles und Rolling Stones spielen europäische Rocklegenden wie Queen, Deep Purple und andere hier leider keine Rolle, auch wenn diese einst Hallen und Stadien in den USA füllten.
 

Amerikanische Städte stehen allgemein nicht im Ruf, ein nach mitteleuropäischen Maßstäben gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz zu haben. Cleveland bildet hier eine angenehme Ausnahme. Metropolregion und Stadt sind bestens mit Bahnen und Bussen vernetzt. Verantwortlich hierfür ist die (Greater Cleveland) Regional Transit Authority RTA ( Regional Transit Authority ). Day Fare – also ein Tagesticket – kostet schlappe 5$. Für mich überraschend günstig. In Hamburg kostet das Tagesticket (2 Ringe) 6,50€, auch nicht zu teuer für die angebotene Leistung. Gut, wenn der EURO weiter fällt, könnten die fünf Dollar noch zur Luxusausgabe mutieren …


Unmittelbar neben der Rock and Roll Hall of Fame findet sich das Great Lakes Science Center. Zu diesem gehört auch das Besucherzentrum des NASA Glenn Research Center ( NASA Glenn Research Center ). In Cleveland erforscht und entwickelt die NASA neue Technologien zur Raumfahrt. Sollte also jemals das Beamen erfunden werden, dann sicherlich hier in Cleveland. Mich als Trekkie interessiert besonders der aktuelle Forschungsstand zum Warp-Antrieb, der für uns, wie wir seit Star Trek: Der erste Kontakt wissen, die Eintrittskarte in die interplanetarische Welt und Voraussetzung für die Aufnahme in die Föderation der Vereinigten Planeten ist.


Lebe lang und in Frieden!

Montag, 17. Mai 2010

Bay City und die Rollers

"Keep on dancing ..." schallte es 1971 aus dem Mono-Lautsprecher meines Radios. Flotte Popmusik einer schottischen Boygroup aus Edinburgh. Diesem ersten Hit folgten über Bye, Bye Baby und Saturday Night bis in die späten siebziger Jahre noch zahlreiche, besonders beim weiblichen Publikum beliebte Hits.

Die Stadt Bay City liegt im US-Bundesstaat Michigan am Ufer des Huron-Sees an der Saginaw Bay. Vom 15. bis 18. Juli gehen 11 Traditionssegler der "Great Lakes United Tall Ships Challenge" in Bay City vor Anker und nehmen am dortigen "Tall Ship Celebration" teil. Mit dabei z. B. die HMS BOUNTY, auf deren Deck 1962 Marlon Brando für den Film "Meuterei auf der Bounty" stand. Dann noch die holländische Bark EUROPA. Und, last but not least, die in Eckernförde beheimatete deutsche Brigg ROALD AMUNDSEN.

Die Band um den Sänger Leslie McKeown nannte sich bereits 1968 Bay City Rollers. Ursprünglich hieß die Pop-Formation Saxon und kam angeblich auf höchst ungewöhnliche Weise zu ihrem Bandnamen: Man warf damals einen Wurfpfeil auf eine USA-Karte und traf dabei die Stadt Bay City in Michigan. Ob die Band wohl ähnliche Erfolge gefeiert hätte, wäre der Pfeil unweit von Bay City in Kalamazoo stecken geblieben? Wir wissen es nicht und selbst Wikipedia weiß es nicht.

Es ist Mitte Mai und in Norddeutschland fragen wir uns, ob dieses Jahr der Winter direkt in den Herbst übergeht. Es ist kalt. Es regnet. Es stürmt. Und wir haben alle die Nase voll. Die ROALD AMUNDSEN schippert derweil mit ihrer Mannschaft von Martinique/Karibik die amerikanische Ostküste entlang zur Mündung des St-Lorenz-Stroms. Kurs Great Lakes. Wetter und Stimmung sollen wunderbar sein. Kunststück, denn die ROALD verzaubert gern mal ihre Passagiere.

1971 war ich 11 Jahre alt und wurde zur Herderschule in Lüneburg versetzt. Dort lernte ich meinen lieben Freund Henning kennen, mit dem ich Vieles teile. Wir haben beispielsweise einen sehr ähnlichen Musikgeschmack und waren damals in den späten Siebzigern gefragte Plattenaufleger bei stimmungsvollen Partys der Scharnebecker Landjugend. Ich geb's zu: Wir mochten die Rollers, haben ihre Platten gekauft und haben voll nach der Musik abgetanzt. Und ein Song wie Dedication war eine echte Alternative zu Nazareths Love Hurts, wenn wir mal so richtig beim Engtanzen an die Mädels ran wollten.

In genau acht Wochen besteige ich am 8. Juli in Hamburg das Flugzeug nach Cleveland/Ohio, um mich dort mit der ROALD AMUNDSEN und ihrer Crew zu treffen. Am 12. Juli stechen wir dann in See und segeln an Detroit vorbei nach Bay City. Die vergangenen freien Tage (langes, überwiegend Schlechtwetter-Himmelfahrts-Wochenende) habe ich mit intensiven Reisevorbereitungen verbracht. Dabei beschäftigte ich mich in zahllose Stunden am heimischen Computer mit Google Maps und sammelte Infos über Cleveland. Dazu mehr in einem späteren Post.

Henning und ich waren in der Herderschule für die Sammlungsräume für Erdkunde und Geschichte verantwortlich. Dort verbrachten wir unsere Pausen und gaben unseren Mitschülern die gewünschten Aufhängekarten und weitere Materialien für die Unterrichte aus. Eine Zeit lang bekamen wir auffällig oft Besuch junger, gut aussehender Damen, die uns gern in Gespräche verwickelten und offensichtlich großes Interesse an uns tollen Jungs hatten. Dachten wir jedenfalls. Bis dann eines dieser engelsgelockten Geschöpfe allen Mut zusammen nahm und die Frage aller Fragen stellte: "Darf ich das Rollers-Poster haben?" Wir Jungs hatten nämlich den schnöden Kartenraum mit Rollers-Postern aufgehübscht. Mit Honig lockt man Bären, mit Speck fängt man Mäuse und da haben wir uns so gefragt, ob man mit Rollers-Postern eventuell vielleicht das Interesse der Mädels wecken könnte. Man konnte!
Und dann war da noch die Sache mit der Whisky-Flasche, aber das ist eine andere Geschichte ...

Übrigens: 1) Bay City ist der Geburtsort der Sängerin Madonna. 2) Im Rahmen einer Städtepartnerschaft ist Bay City unter anderem mit Ansbach, Bayern verbunden. 3) Und dann war da noch der Schock-Rocker Alice Cooper, der 1972 mit seinem Hit Schools Out die internationalen Charts erstürmte. Alice Cooper wurde 1948 kaum mehr als einhundert Meilen südlich von Bay City in Detroit geboren. Und am 17. Juli 2010 gibt die Rock-Legende ein Live-Konzert in ... richtig! ... in Bay City. An dieser Stelle ist es angemessen, meinen lieben Freund Henning zu zitieren: "Es gibt keine Zufälle."