Montag, 15. Februar 2010

Maschinenerprobung - sie läuft!

Letztes und vorletztes Wochenende hatte ich die Möglichkeit, auf der 'Roald' mitzuarbeiten und zu helfen, unser Schiff für die große Fahrt klar zu bekommen. An Oberdeck gibt's zwar reichlich Arbeit, aber leider aufgrund der Witterung keine Gelegenheit, Hand anzulegen. Aber auch unter Deck wurde uns nicht langweilig: Dosen- und Punpenlast stauen und seefest zurren, Schwimmwesten auf die Kammern verteilen, Navigation und Funk vorbereiten und, und, und, ... Aber all dies lenkt nur vom Wesentlichen ab: Wie geht's der Maschine? Andreas, Jan, Inga und zahlreiche Helferleins schuften seit Wochen, montieren Leitungen, justieren Ventile, prüfen, testen. Und dann war es endlich soweit: Leinen kontrollieren und durchholen; WOLKE (Wasser, Öl, Luft, Kraftstoff, Elektrizität) checken und das Maschinchen anlassen ... sonores, tiefes Brummen ... Vibrationen schütteln den Rumpf ... und auf einmal Ruhe. Nächster Versuch. Dabei wurde schnell deutlich, dass mit der Kühlung etwas nicht stimmt. Mit anderen Worten: Das Motörchen wird zu heiß; also nochmal alles geprüft, Pumpen und Leitungen untersucht, hier noch etwas modifiziert und da noch geschraubt. Dann der nächste Versuch: Sie läuft! Und wie!! Glaubst Du nicht? Guckst Du hier im Video:



Am Samstag (13.02.10) waren wir für die Überführung der 'Roald' eine vollständige Crew an Bord: Kapitän, reichlich Steuerleute, noch mehr Maschinisten und Assis, Toppsgasten, Deckshände, Anwärter und ... unglaublich, aber wahr ... zwei Trainees. Dann am Abend die Entscheidung. Die Überfahrt nach Kiel muss leider ausfallen, es sind noch zu viele Restarbeiten an der Maschine zu machen, das Risiko ist gross. Leider kann man auf dem Wasser nicht mal eben den ADAC rufen und sich abschleppen lassen ...
Spätestens am 18.02.10 wird die 'Roald' in Kiel erwartet, um von dort nach Oostende aufzubrechen. Dann weiter zu den Kanarischen Inseln, in die Karibik (Martinique), amerikanische Ostküste ... im Geiste fahre ich mit. Am 8. Juli sehen wir uns wieder: In Cleveland! Bis dahin wünsche ich Besatzung und Schiff eine gute Zeit.

Montag, 8. Februar 2010

Schnee und Eis an Bord - Brigg ROALD AMUNDSEN


Rostock im Februar 2010

An Oberdeck trotzt ein Schneemann der eisigen Kälte. Ein Schneemann - Moment mal - Wo ist unser Spill geblieben? Offensichtlich hat die Crew trotz engstem Zeitplan und widrigen Bedingungen ihren Humor nicht verloren. Winterkonservierung nennt man das wohl: Spill mit Schnee vor Eiseskälte geschützt und dann noch formschön verpackt. Typisch!

Noch zehn Tage bis zum Auslaufen. Nur noch zehn Tage Zeit, die Werftliegezeit vor dem Aufbruch in die 'Neue Welt' abzuschliessen und die Roald wieder flott zu kriegen. Diese Woche soll Standprobe sein: Hält die neue Maschine, was sich Trägerverein, Schiffsführung, Techniker (früher: Heizer) und Besatzung von ihr versprechen? Dann am Wochenende noch die Verlegefahrt nach Eckernförde, aufräumen, stauen, ausrüsten, Verpflegung übernehmen ecetera pp. Und dann endlich soll's los gehen: Die große Reise auf die Great Lakes!

Trotz Erkältung und widriger Straßenverhältnisse durfte auch ich am Wochenende mithelfen, 'unser' Schiff wieder flott zu kriegen. Sicherheitsüberprüfung war meine Aufgabe. Ist die Sicherheitsausrüstung, vom Funkgerät über Feuerlöscher bis zur Schwimmweste, vollzählig und gebrauchsfertig an Bord? Wurden alle amtlichen Prüffristen für die Druckauslöser in den Rettungsinseln eingehalten? Funktionieren die Leuchtbojen unserer Rettungsringe an Oberdeck? ... Ich habe Stunden gebraucht, bis alles zusammen und in Ordnung war. Und dabei sind wir uns mal wieder ein Stückchen näher gekommen - die Roald und ich.

Am 08. Juli fliege ich nach Cleveland - es ist noch so lange hin, bis wir und wiedersehen. Mit etwas Glück kann ich in wenigen Tagen bei der Überführungsfahrt nach Eckernförde dabei sein und meine Roald mal wieder in See spüren, noch ohne Segel, aber immer hin. Kurs West ...

Dienstag, 2. Februar 2010

Die Kunst, eine Flugreise zu buchen

Das Gefühl kennt sicherlich jeder: Du sitzt vor dem Computer, konzentrierst dich voll auf eine echt wichtige Sache ... und irgendetwas völlig unvorhersehbares funktioniert nicht.

Einen Flug im Internet zu buchen ist ja im Grunde eine einfache Sache: Suchmaschine anwerfen, Reisedaten und weitere Wünsche angeben und schon flimmern zahlreiche Angebote über den Monitor. Fix das günstigstes Angebot anklicken und schon beginnt die digital-virtuelle Reise zum Anbieter. Jetzt noch das Buchungsformular ausfüllen. Persönliche Daten eingeben und zu guter Letzt die Art der Bezahlung festlegen. Hab ich alles genauso vor wenigen Tagen an einem Samstag gemacht. Die Buchungsbestätigung bekam ich innerhalb weniger Minuten und ich wähnte mich Glück, ging beschwingt zur Probe von Borby Gospel. Am Sonntag dann der Rückschlag: Die Buchung ist storniert, da nicht verfügbar. Aha, dachte ich, interessant. Sechs Monate im voraus buchbar, aber nicht verfügbar. Nur gucken, nicht anfassen!

Am Montag startete ich dann meinen zweiten Versuch. Anbieter suchen, Angebot auswählen, Flug hin, Flug her, über Paris, Frankfurt oder doch von Hamburg nach New York. Formular ausgefüllt, persönliche Daten und Kontoverbindung eingegeben, alles nochmal geprüft und mutig und entschlossen den Button "absenden" angeklickt. Okay, ich sah jetzt weder schwarz noch windowsblau, sondern weiß und dazu noch kryptierte Informationen: Http ... 500 ... Error ... usw. War der Flug jetzt gebucht oder nicht? Die Hotline ("der nächste freie Mitarbeiter ist für Sie da", "bitte haben Sie noch etwas Geduld") konnte helfen (!): Die Reise war nicht gebucht. Frei nach dem Motto "Täglich grüßt das Murmeltier" habe ich die Prozedur wieder von vorn angefangen. Wie heiße ich noch? Schatz, hast Du die Kontodaten weggelegt? ...

Ich schätze, die Kontobewegungen in den nächsten Tagen geben einen ersten Hinweis auf die von mir tatsächlich getätigten Flugbuchungen. Der Lackmustest folgt dann bei der Einreise in die USA: Wie reagieren Homeland Security und Einwanderungsbehörden? Habe ich mich bereits verdächtig gemacht? Gerate ich in das Netz der Terrorfahnder? ...


Mein nächster Schritt: Ich beantrage einen zweiten Reisepass, weil im ersten Pass Stempel eines arabisch-afrikanischen Staats sind und allein dies mich sicherlich zwei bis drei Tage Sicherheitsverwahrung in Newark kostet. Im September 1979 sind wir Herderschüler Abi-Jahrgang '80 nach Berlin gefahren. Wir fuhren in Lauenburg auf die Transitstrecke und wurden an der deutsch-deutschen Grenze kritisch kontrolliert. Petra, unsere Mathe-Lehrerin saß vorn neben dem Busfahrer und hatte gedankenlos die BILD-Zeitung auf die Ablage geworfen. Der Kollege Ost-Grenzer bat dann darum, diese wegzulegen. Titelstory war eine am Wochenende geglückte Ballonflucht aus der DDR ... Tage später überquerte ich in Berlin Friedrichstraße die Grenze nach Ost-Berlin. Ausweis zeigen, kurzer Blick von oben und durch war ich. Und da sah ich noch aus wie ein 'langhaariger Bombenleger' ...





Montag, 1. Februar 2010

John Maynard von Theodor Fontane


John Maynard!
"Wer ist John Maynard?"
"John Maynard war unser Steuermann,
Aushielt er bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
Er starb für uns, unsere Liebe sein Lohn.
John Maynard."

Sonntag, 31. Januar 2010

Eine Reise beginnt immer im Kopf, ungefähr da, wo auch unsere Träume wohnen.

http://sailtraining.de/











Vor acht Jahren war ich für einige Monate in Ostafrika und habe meinen Freunden regelmäßig mal mehr mal weniger umfangreiche Mails mit meinen Eindrücken und Erlebnissen geschickt. Im Sommer 2010 begebe ich mich wieder auf eine große Reise. Tausende Meilen nach Westen nach Cleveland am Eriesee. Dort gehe an Bord der Brigg "Roald Amundsen" und befahre fünfeinhalb Wochen die "Great Lakes". Von
Cleveland im Bundesstaat Ohio über Bay City (Michigan) und Duluth (Minnesota) nach Green Bay in Wisconsin. Fünf Wochen auf engstem Raum mit Fremden und Freunden zusammen sein, Segelwache gehen, Segel setzen und bergen, gemeinsam lachen und fröhlich sein, Neues entdecken und Altes nicht vermissen, das Leben beschränkt auf Wesentliches: Miteinander leben und arbeiten, Teamwork und die Welt hinterm Horizont entdecken ... ich bin gespannt.